: Der Witz: der Dreh
■ 3-D-Designer der HfK entwickeln „Trans Cyrcle"
Stellen Sie sich vor, Sie sitzen im Cafe und der Bäcker kommt vorbei. Nicht etwa der mit Brötchen im Körbchen, sondern der ganze Laden. Das erinnert Sie an Ihre Einkaufspflicht? Dann springen Sie schnell auf, in einer Stunde erst wird der Bäcker wieder vorübergleiten. Pünktlich um fünf nach, von Ihrem Standort aus gesehen.
Denn die Stadt dreht sich. Zwar nicht um sich selbst, aber im Kreis, im gleitenden Stadtring Trans Cyrcle. Trans Cyrcle ist etwas, was sich schwer erklären läßt, ist eine Idee, eine Vision. Entstanden im Studiengang Grafik und Design an der Bremer Hochschule für Künste (HfK), in einem Bereich, der nur aus einem einzigen Raum besteht. Dort sind die 3-D-Designer am Werk, dort haben vier Studenten, zwei Absolventen und zwei Professoren Trans Cyrcle entwickelt. Über das Ergebnis kann diese Woche in der Galerie der HfK sinniert werden.
Was also ist Trans Cyrcle? Professor Wolfgang Jarchow: „Trans Cyrcle ist abgefallen bei unserer Beschäftigung mit neuen Formen des Individualverkehrs, als etwas, das uns nicht schon wieder ein Vehikel beschert.“ Der gleitende Stadtring ist sozusagen ein Stück Stadt. Mobile Architektur. Im Modell sieht das so aus: Ein zehn Meter breiter Ring mit einem Durchmesser von zwei Kilometern und einem Gesamtumfang von 5.000 Metern steht inmitten eines Stadtteils. In sich die Post, die Infothek, den Kindergarten, den Imbiss, Milchbars, Restaurants und verschiedene Geschäfte. Wie ein Multizentrum mit Information, Dienstleistung, Kulinarischem und Unterhaltung.
Der Witz ist der Dreh an der Sache: Der gleitende Stadtring bewegt sich permanent, schafft eine Umdrehung pro Stunde. Das innerstädtische Verkehrs- Chaos lichtet sich, Trans Cyrcle bringt uns von der Buchhandlung zum Schuhgeschäft, ohne daß wir uns weit von zuhause entfernen. Info-Säulen rund um den Ring sagen uns, was wann wo ist. „Und innerhalb des Ringes ist alles autofrei“, betont Gerd Oltmann, einer der entwickelnden Studenten. Trans Cyrcle ist ein ökologisches Projekt, es soll über Solarenergie angetrieben werden. Soll, denn die Cyrcler hat nicht vorrangig das Machbare, sondern vor allem das Innovative und Kommunikative an ihrer Idee interessiert. Die ist witzig, kreativ und bedenkenswert. Irgendwo zwischen praktikablem Irgendetwas und reiner Spinnerei. Professor Günther Wehmann zum möglichen Einsatzort Bremen: „Hollerland wäre ideal dazu.“ Silvia Plahl
Mit reinem Gewissen wissen
Auf taz.de finden Sie eine unabhängige, progressive Stimme. Frei zugänglich, ermöglicht von unserer Community. Alle Informationen auf unserer Webseite sind kostenlos verfügbar. Wer es sich aber leisten kann, darf – ganz im Zeichen des heutigen "Tags des guten Gewissens" – einen kleinen Beitrag leisten. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen