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Menschenrechte für Affen Von Mathias Bröckers

Der Unterschied zwischen Menschen und Schimpansen beträgt genau 1,6 Prozent, der Rest, 98,4 Prozent der in der DNA niedergelegten Erbinformation, ist absolut identisch. Damit ist der Mensch der nächste Verwandte der Schimpansen – und nicht etwa des Gorillas, der sich in 2,6 Prozent seiner Genstruktur vom Schimpansen unterscheidet. In der traditionellen Taxonomie werden Menschen und Affen zwar in einer gemeinsamen Klasse, den Primaten, geführt, dort aber werden sie in zwei verschiedene Familien, Hominidae und Pongidae, unterteilt. Eine Unterscheidung, die sich nach der DNA-Analyse nicht mehr aufrechterhalten läßt: „Die traditionelle Unterscheidung zwischen Affen und Menschen entspricht einfach nicht den Tatsachen“, so der Physiologe Jared Diamond von der Universität von Kalifornien in Los Angeles, am besten sei Homo sapiens als „eine dritte Spezies von Schimpansen“ klassifiziert. Diamond gehört, mit dreißig anderen prominenten Biologen, Philosophen und Schriftstellern, zu den Unterzeichnern der „Declaration on Great Apes“, einer Charta für Menschenaffen, die jetzt im Rahmen einer Reihe von Essays unter dem Titel „The Great Ape Project“ in England und Australien erschienen ist. Mit Beiträgen so verschiedener Autoren wie dem galaktischen Anhalter Douglas Adams oder dem Evolutionsbiologen Richard Dawkins versteht sich das Buch als ein Manifest für eine Revolution in der Behandlung unserer nächsten Verwandten – der Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans.

Die Schimpansen haben zwar ein kleineres Gehirn als Menschen, doch sie verfügen über große emotionale und soziale Fähigkeiten. Wie Jane Goodall bei ihren Beobachtungen freilebender Schimpansen fand, pflegen sie ein enges Familienleben, und diese Beziehungen werden über die gesamte Lebensspanne beibehalten. Was die intellektuellen Fähigkeiten kleiner Schimpansen angeht, hat ein Verhaltensforscher unlängst berichtet, daß sich ein zehnjähriges Äffchen im Verständnis der englischen Sprache einem zweijährigen Kind überlegen zeigte (New Scientist, Nr. 1876).

Etwa 5.000 Schimpansen sind zur Zeit weltweit gefangen, davon mehr als die Hälfte als Versuchstiere in Laboratorien, der Rest in Zoos und Unterhaltungseinrichtungen. Die Deklaration fordert, ihnen ein Recht auf Leben, Freiheit und Schmerzlosigkeit zu gewähren und sie als „Personen“ zu betrachten, die ohne ein Gerichtsverfahren weder gefangen noch gefoltert werden dürften.

Initiator des Projekts ist niemand anderes als der Philosoph und Professor für Bioethik Peter Singer, der wegen seiner Thesen zur Euthanasie in Deutschland als „Nazi“ und „Mengele-Nachfolger“ verrufen ist. Insofern darf man auf die Resonanz auf die Forderung, auch Affen Bürgerrechte zu gewähren, gespannt sein – daß Singer als Aktivist der „Animal Liberation“ es mit Ethik wirklich ernst meint, scheint im Zuge der hiesigen Hysterie bis dato völlig untergegangen. Auf die Frage, ob es nicht falsch sei, sich um Affen zu kümmern, während Menschen immer noch leiden, antwortete er: „Das ist dasselbe, wie wenn sie sagen würden: Wir sollten der Dritten Welt nicht helfen, denn wir haben genügend Probleme in England.“

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