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40.000 schwarze Bergarbeiter im Streik

■ Tarifauseinandersetzungen in der südafrikanischen Goldindustrie führen zu Arbeitsniederlegungen in mehreren Bergwerken Rettungsarbeiten nach Grubenunglück gehen weiter / Schulprüfungen nach Auseinandersetzungen von Sicherheitskräften bewacht

Johannesburg (afp) - Durch wilde Streiks wurden am Montag drei südafrikanische Goldminen lahmgelegt, wo rund 40.000 Bergarbeiter ihren am Sonntag begonnenen Ausstand fortsetzten. Wie vom Bergwerksunternehmen „Goldfields“, dem drittgrößten Goldförderer Südafrikas, in Johannesburg bestätigt wurde, ruhte die Arbeit in den Goldfield– Minen Kloof, Deelkraal und Doornfontein westlich von Johannesburg. Ein Sprecher der Bergarbeitergewerkschaft NUM, Marcel Golding, erklärte, die Streiks erfolg ten auf die Weigerung der Goldfield–Leitung, die Löhne um bis zu 20 Prozent zu erhöhen. Die Gewerkschaft führt derzeit Tarifverhandlungen mit der Bergwerkskammer, aus denen sich Goldfield jedoch zurückgezogen hat. Golding erklärte, die Arbeiter in den Goldfield–Minen East Driefontein, Libanon und Venterspost seien nur durch „massive Präsenz von Sicherheitsdiensten“ der Mine daran gehindert worden, ebenfalls in Streik zu treten. Ein Goldfield–Sprecher bestätigte, daß Sicherheitskräfte im Einsatz seien, bestritt jedoch, daß Arbei ter von ihnen eingeschüchtert würden. In der Mine Doornfontein seien am Sonntag zwei Gebäude in Brand gesetzt worden. Unterdessen waren in der Mine Randfontein, wo am Sonntag ein Aufzug in einen 800 m tiefen Schacht gestürzt war, am Montag weiter Rettungsarbeiten im Gang, um die Leichen der sechs bei dem Unglück getöteten Arbeiter zu bergen. Die 26 Verletzten, darunter vier Weiße, wurden bereits sämtlich aus dem Schacht befreit. Drei schwarze Bergarbeiter sind nach Angaben von Ärzten schwer verletzt. Zu dem Unfall kam es durch einen Kabelriß an einem leeren Aufzug. Der fünfstöckige Stahllift und das mehrere Tonnen schwere Stahlkabel stürzten den Schacht hinab, in dem 32 Männer arbeiteten. Drei Männer wurden von dem herabstürzenden Aufzug erschlagen, drei weitere durch herumfliegende Einzelteile und das Kabel. Im vergangenen Monat kamen in der südafrikanischen Goldmine Kinross bei dem schwersten Unglück in der Geschichte der Goldgewinnung 177 Bergarbeiter ums Leben. Die meisten starben an Gasvergiftung, nachdem unter Tage ein Brand ausgebrochen war. Währenddessen meldete das Informationsbüro, daß starke Sicherheitskräfte zahlreiche Schulen in ganz Südafrika am Montag bewachten, während die Prüfungen zum Schuljahresende vorgenommen wurden. Am ersten Prüfungstag am Freitag hatten bewaffnete Jugendbanden in Soweto einen Schulboykott durchzusetzen versucht. Sie waren mit Knüppeln und Messern bewaffnet in die Klassenzimmer eingedrungen und hatten Prüfungsunterlagen zerrissen.

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