piwik no script img

D O K U M E N T A T I O N „Quelle der Inspiration“

■ Brief der Initiative Frieden und Menschenrechte zum zehnten Jahrestag der Charta 77.

Liebe Freunde,als vor zehn Jahren die Charta 77 entstand, gab es viele Skeptiker, die ihr kein langes Leben prophezeiten. Zu stark waren der Druck der Macht und die Lähmung der Gesellschaft. Ihr habt die Inhaftierung der Sprecher und vieler Unterzeichner, die offene und verdeckte Repressionen und die Taktik des Totschweigens überstanden. Die Charta wurde nicht zur Massenbewegung und konnte auch nicht alle Verletzungen der Menschenrechte verhindern, sie entwickelte sich aber zur politischen und moralischen Autorität... Für uns war und ist die Existenz der Charta und anderer Menschenrechtsbewegungen in Osteuropa eine Ermutigung und eine „Quelle der Inspiration“! Am Anfang selbständiger Menschenrechtsarbeit in der DDR stand oft der Vorwurf, die Charta 77 kopieren zu wollen. Dies war aufgrund unserer Voraussetzungen weder möglich,noch wollten wir es. In der DDR ist die Menschenrechtsarbeit als eigener Bestandteil einer breiten unabhängigen Friedensbewegung gewachsen. Viele Gemeinsamkeiten unserer Länder machen jedoch die Aufnahme wichtiger Erfahrungen von Arbeitsprinzipien wechselseitig möglich. Zu den wichtigsten gehören für uns: Menschenrechte können nicht erhandelt oder zum Gegenstand diplomatischen Schachers in Geheimverhandlungen gemacht werden. Die Entwicklung der Selbsthilfe und die Solidarität der Betroffenen wird die alte Stellvertreterpolitik überwinden. Der nationalen und internationalen Öffentlichkeit kommt eine große Bedeutung dabei zu. Der Pluralismus ist ein übergreifender Wert...Die Spannung zwischen verschiedenen Ansätzen in der Menschenrechtsfrage ist produktiv und sollte nicht durch Grundsatzdebatten mit dem Ziel der Vereinheitlichung zerstört werden.... Mitglieder der Initiative und Freunde der Friedensbewegung; 30 Erstunterzeichner, Sprecher Wolfgang Templin, Ralf Hirsch, Peter Grimm

taz lesen kann jede:r

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Texte, die es nicht allen recht machen und Stimmen, die man woanders nicht hört – immer aus Überzeugung und hier auf taz.de ohne Paywall. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 40.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen