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D O K U M E N T A T I O N „Es wurden schwere Fehler gemacht“

■ US–Präsident Ronald Reagan gesteht in seiner Rede zur Lage der Nation Fehler bei der Iran–Affäre ein Über Geiseln, Waffen und den Iran, die „Freiheitskämpfer“ in Nicaragua, die Sowjetunion, Reykjavik und SDI

Washington (taz/dpa) - In seiner alljährlichen, dieses Mal wegen der Iran–Contra– Krise mit Spannung erwarteten Rede zur Lage der Nation erwähnte US–Präsident Reagan am Dienstag die geheimen Waffenlieferungen an Iran nur am Rande. Statt dessen pries er, wie schon bei früheren Gelegenheiten, die Größe Amerikas. „Amerika ist nicht am Ende, seine besten Tage haben gerade erst begonnen.“ Die Reaktion im Kongreß und bei den Medien waren zurückhaltend bis kritisch: Zwar gaben sich Reagans Parteifreunde sehr euphorisch und beklatschten die Rede ihres Präsidenten, aber hinter den Kulissen war man sich einig, daß es Reagan nicht gelungen war, die politische Initiative wiederzuerlangen. Auszüge: „Obwohl wir viele Fortschritte gemacht haben, gibt es dennoch etwas, was ich sehr bedauere. Ich bin mit unserer Aktion im Iran ein Risiko eingegangen. Es hat nicht funktioniert, und dafür übernehme ich die volle Verantwortung. Die Ziele waren es wert. Ich glaube nicht, daß es falsch war zu versuchen, Kontakte zu einem Land von strategischer Bedeutung herzustellen oder Menschenleben zu retten. Und es war sicher nicht falsch zu versuchen, Freiheit für unsere in barbarischer Gefangenschaft gehaltenen Bürger zu gewinnen. Aber wir haben nicht erreicht, was wir wollten, und schwere Fehler wurden dabei gemacht. Wir werden der Sache auf den Grund gehen, und ich werde tun, was immer notwendig ist. Um die amerikanische Politik darf es kein Mißverständnis geben: Wir werden nicht müßig zusehen, wenn unsere Interessen oder unsere Freunde im Nahen Osten bedroht werden, noch werden wir terroristischer Erpressung nachgeben... Auch in Mittelamerika wird die Sache der Freiheit auf die Probe gestellt. ... Die Freiheitskämpfer Nicaraguas haben uns niemals gebeten, ihre Schlacht zu schlagen, aber ich werde jeden Versuch bekämpfen, ihre Lebensadern abzuschneiden und sie dem Tod, der Niederlage oder einem Leben ohne Freiheit auszuliefern. Es darf keinen sowjetischen Brückenkopf in Mittelamerika geben. Wir Amerikaner haben den Dialog immer dem Konflikt vorgezogen, und so bleiben wir weiterhin offen für konstruktivere Beziehungen mit der Sowjetunion. Letzten Oktober in Island hatten wir für einen Augenblick eine Chance, die die Sowjets zerschmetterten, weil sie unsere Strategische Verteidigungsinitiative - SDI - zu verkrüppeln suchten. Ich habe das damals nicht zugelassen. Ich werde ihnen das auch jetzt und in der Zukunft nicht erlauben. Dies ist das positivste und verheißungsvollste Verteidigungsprogramm, das wir begonnen haben.“ Es ist - für beide Seiten - der Weg in die sichere Zukunft; ein system, das das menschliche Leben schützt, statt es zu bedrohen.

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