: Nicht justiziabel
■ Im Wallraff–Prozeß ist das Urteil gefällt
Das Urteil im Wallraff–Prozeß ist gestern gesprochen worden: 5 zu 2 für den Schriftsteller. Ein anderes Urteil, und aus dem um Authentizität bemühten Enthüllungsautor wäre ein Märchenerzähler geworden. So werden gemeinhin Gerichtsurteile interpretiert. Trotzdem - über die „Wahrhaftigkeit“ eines Buch sagen Gerichtsurteile nichts aus. Wer, wo, wann richtet ist entscheidender als jede Beweiserhebung. Wallraff hätte ebensogut in allen Punkten verlieren oder gewinnen können. „Wahrheit“? Sie ist nicht pur zu haben. Da hat jeder Leser - und Richter - eine andere Fassung. Natürlich ist es richtig, vom gezielten Abbau der Stammbelegschaften bei Thyssen und der Stahlindustrie überhaupt zu schreiben. Gezielt und systematisch haben sie ihn betrieben, weil der Konkurrenzkampf die „Japanisierung der Produktion“ gebot. Thyssen wird demnächst, wie andere Stahlproduzenten zuvor, ein sechsstelliges Bußgeld vom Landesarbeitsamt aus eben diesem Grunde gegenwärtigen. Das ist „wahr“, auch wenn das Gericht gegenteilig entschied. Und es ist auch „wahr“, daß Thyssen–Verantwortliche Staubmasken im Wortsinn nicht „verweigert“ haben. Sie „vergaßen“ lediglich, die Leiharbeiter - zumeist Ausländer - über Gefahren der Nichtbenutzung und über die entsprechenden Ausgabestellen ausreichend zu informieren. Sind die Passagen im Buch deshalb „unwahr“? Bei dieser Frage sind Richter überfordert. Die Leser müssen schon selbst entscheiden. Jakob Sonnenschein
Eine Koalition, die was bewegt: taz.de und ihre Leser:innen
Unsere Community ermöglicht den freien Zugang für alle. Dies unterscheidet uns von anderen Nachrichtenseiten. Wir begreifen Journalismus nicht nur als Produkt, sondern auch als öffentliches Gut. Unsere Artikel sollen möglichst vielen Menschen zugutekommen. Mit unserer Berichterstattung versuchen wir das zu tun, was wir können: guten, engagierten Journalismus. Alle Schwerpunkte, Berichte und Hintergründe stellen wir dabei frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade jetzt müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Was uns noch unterscheidet: Unsere Leser:innen. Sie müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Es wäre ein schönes Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen