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Israel bombardiert Südlibanon Schwere Angriffe auf Saida

■ Palästinensische Organisationen erwarten Großoffensive / Koalitionsknatsch in Israel

Tel Aviv/Berlin (taz) - Bei den schwersten Bombardements der israelischen Luftwaffe in diesem Jahr kamen am Wochende nach Angaben der PLO in dem Flüchtlingslager Mieh Mieh im Osten der libanesischen Hafenstadt Saida 14 Menschen um, 37 Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Wie ein Sprecher des Lagers mitteilte, wurden 15 Luftbomben mit einer Sprengkraft von je 1,5 Tonnen abgeworfen. Mindestens 15 Häuser des Lagers, in dem insgesamt 20.000 Menschen leben, wurden zerstört, darunter Büros der Fatah, der Demokratischen Front und der Volksfront für die Befreiung Palästinas. Am Samstag hatten israelische Kampfhubschrauber Angriffe auf das von UNO–Truppen kontrollierte Gebiet im Süden des Libanon geflogen. Die zwei getroffenen Dörfer liegen noch innerhalb der von Israel beanspruchten Sicherheitszone und werden von nepalesischen UN–Truppen gehalten. Ein Fatah–Sprecher erklärte am Samstag in Saida, man erwarte einen „erneuten Ausbruch militärischer Aggresionen Israels gegen Palästinenser im Li banon“. Auch die Demokratische Front erwartet eine Großoffensive Israels gegen die Region von Tyros und insbesondere gegen das bis vor kurzem von Amal–Milizen belagerte Lager Rashidieh. Am Vorabend des israelischen nationalen Unabhängigkeitstages vertieften sich unterdessen die Koalitionsstreitigkeiten zwischen den beiden israelischen Regierungsparteien, so daß Kabinettsmitglieder aus der Arbeiterpartei den unmittelbar bevorstehenden Zusammenbruch der Koalition der „Nationalen Einheit“ vorhersagen. In diesem Fall müßten für den kommenden Herbst Neuwahlen ausgeschrieben werden. Noch vor seiner Reise in die USA will der israelische Außenminister Shimon Peres innerhalb der nächsten zwei Wochen dem Kabinett seinen Friedensplan mit Jordanien vorlegen. Als sicher gilt, daß der Likud–Block die Vorlage ablehnen und somit die Koalition sprengen wird. Peres behauptet, Israel und die USA seien mit König Hussein von Jordanien übereingekommen, im Anschluß an eine „formale“ Eröffnung der Gespräche im Rahmen einer „Internationalen Konferenz“ direkte, zweiseitige Verhandlungen aufzunehmen. Diese Prozedur würde, nach den Vorstellungen des Außenministers, jede Beteiligung der PLO an den Verhandlungen ausschließen und zudem garantieren, daß die unter US–amerikanischer Aufsicht geführten israelisch–jordanischen Gespräche nicht durch die in praktischer Hinsicht bedeutungslose „Rahmenkonferenz“ behindert würden. Noch am Freitag ließ die jordanische Regierung das von Peres und der US–Botschaft veröffentlichte Übereinkommen dementieren. Sprecher des Likud–Blocks in Jerusalem griffen den jordanischen Rückzieher sofort auf und sahen ihre Argumente gegen eine internationale Konferenz bestätigt: Die Konferenz wäre ein unnötiger Ärger, würde Groß–Israel gefährden und palästinensischen Terrorismus ermutigen. Die von Peres ausgegebene Parole der „aussichtsreichsten Gelegenheit“ für einen Friedensdialog hat offenbar hauptsächlich innenpolitische Bedeutung, da sich die Arbeiterpartei mit einer gegenwärtig großen Popularität ihrer Führer im Fall von Neuwahlen Gewinne verspricht.

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