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Daimler–Chef ist Bremer Ehrendoktor geworden

■ Verleihung der Ehrendoktor–Würde unter Protest von Studenten– und AStA–Vertretern / Druck wegen Bedeutung des Daimler–Werkes für Bremen

Aus Bremen Klaus Wolschner

Der SPD–Landesvorsitzende Herbert Brückner habe die Ehrung „peinlich und blamabel“ genannt - was der Bürgermeister Klaus Wedemeier denn dazu sage, wollten im vornehmen Kaminsaal des Bremer Rathauses am Mittwoch nachmittag lautstark ein Juso und Studentenvertreter wissen. In einigen der 200 dunklen Anzüge im Saal stockte der Atem, ein Saalordner griff zu - der Störenfried wurde entfernt. Sieben andere waren vorher schon hinausgeführt worden, Studenten der Bremer Universität - sie waren nicht eingeladen gewesen zur Verleihung der Ehrendoktorwürde an den zweiten Daimler–Benz–Vorstandsvorsitzenden Werner Niefer. Überhaupt sollte das Ganze nichtöffentlich sein, die Universität hatte sich in das Rathaus zurückgezogen - offenbar fürchtete man, daß es wirklich peinlich werden könnte. In seiner Begrüßung der Ehrengäste kam der Rektor Timm sofort zur Sache: Diese Ehrung sei „sehr umstritten“ gewesen. Nur unter massivem Druck und in der vierten Stimmzählung war in dem jungen Fachbereich Produktionstechnik der Universität die erforderliche Mehrheit zustandekommen, bald einmütig kritisierte der Akademischen Senats später das Verfahren auch im Hinblick auf die Autonomie der Universität. Allerdings hatten die Kritiker die Sache immer mit dem Bruchteil einer Stimme Mehrheit passieren lassen, weil sie sich dem Argument der bremischen Landesregierung beugten, hier gehe es um bremische Interessen - der Konzern hält an der Weser immerhin knapp 14.000 Autobauer in Lohn und Brot. Und Werner Niefer hat sich nicht nur dafür in seinem Kon zern engagiert, sondern auch bei der Gründung des Fachbereiches Produktionstechnik, der die Anbindung der Uni an die regionale Industrie herstellen sollte. So war für die Landesregierung die Sache auch klar, als vom Konzern selber die Nachricht kam, nicht der ursprünglich vom Fachbereich vorgeschlagene Kandidat - ein Bremer Daimler–Mann -, sondern Niefer selber wolle die akademisch Ehre für sich. Da der genau vor 40 Jahren als Werkzeugmacher– Lehrling bei Daimler angefangen hatte, paßte der „Dr. h.c.“ ins Jubiläumsprogramm. Bei der Kontroverse habe es auch eine „politische“ Komponente gegeben, berichtete der Rektor in der Feierstunde, bei der es „um die Bedeutung von Daimler Benz für Bremen“ gegangen sei, aber auch um „Rüstung und Südafrika“. In Flugblättern an der Universität war vor allem der „Rüstungsanteil“ des Konzerns beleuchtet wordend. Niefer selber war früher einmal Geschäftsführer des Rüstungsbetriebs MTU gewesen und gilt auch als Mit–“Architekt“ der neuen Daimler–Benz– Struktur, der weder mit diesem Geschäftsanteil noch mit dem Südafrika–Engamement irgendwelche Probleme hat. Die Bremer Universität, die Anfang der siebziger Jahre als „Kaderschmiede“ verschrieen war, hatte sich unter Protest dem wirtschaftlichen und politischen Druck gebeugt. Diese symbolische Bedeutung bestätigte der Rektor auch und meinte, von ihm aus könne der Akt als „Symbol des Wandels unserer Universität“ genommen werden. Werner Niefer konnte sich schließlich artig bedanken und erinnerte an unsere „knallharte Wettbewerbslandschaft“, wo es um „glasklare Fakten“ gehe - die „Reichsbedenkenträger“ liebe er nicht. Für die Kooperation zwischen Universität und Wirtschaft sei er schon deshalb, weil die jungen Ingenieure bald „an der Front Tritt fassen“ müßten. Beim anschließenden Sekt–und Saft–Empfang bedankte sich Wedemeier ausdrücklich dafür, daß Niefer, der „Vater dieses Daimler–Benz– Werkes“, die umstrittene Ehrung angenommen habe, was „sicherlich so einfach nicht“ gewesen sei. Er schenkte ihm einen Kompaß, der eben immer nach Norden zeigt. Und Niefer bekräftigte: „Mein Herz schlägt für Bremen“.

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