: Antifa-Demo eingekesselt
Bundesweite Demo gegen NPD und Ausländerhetze wanderte im Polizeikessel durch Frankfurt / Sechs Festnahmen / Gezielte Polizeiprovokationen wurden ignoriert / Verbot der rechtsextremen FAP gefordert ■ Aus Frankfurt Blum und Platen
Eine bundesweite Demonstration gegen ein geplantes und dann kurzfristig abgesagtes NPD-Treffen in Frankfurt bewegte sich am Samstag als mobiler Kessel durch die Stadt. Zu dem Protestmarsch ab Friedberger Platz hatten unter anderem Antifaschistische und Autonome Gruppen aufgerufen. Insgeamt 1.000 Polizisten verwandelten die Demo in einen mobilen Gefangenentransport. Über eine halbe Stunde benötigten die 2.000 TeilnehmerInnen für den ersten Demo-Kilometer, immer wieder mußte der Marsch angehalten werden. Verhandlungen über einen Abzug der aus mehreren Bundesländern herbeigekarrten Polizisten blieben erfolglos - lediglich ein Wasserwerfer an der Spitze des Zuges verschwand.
Bereits im Vorfeld kam es zu sechs Festnahmen: Die Menschen sollen nach Polizeiangaben Schlagstöcke und Tränengas mitgeführt haben. Am Sonntag morgen waren sie wieder auf freiem Fuß. Auf der Konstabler Wache hielten die DemonstrantInnen eine Zwischenkundgebung ab. In den Redebeiträgen wurde gegen Ausländerhetze, Faschismus und Rassismus protestiert. „Ausländer bleiben - Nazis vertreiben“ war eine der Parolen, mit der sich der Marsch nach über einer Stunde wieder in Bewegung setzte. Das Ziel, die Polizei zum Abzug zu zwingen, wurde nicht erreicht. Dafür schlossen sich dem Zug nunmehr die TeilnehmerInnen einer weiteren Protestveranstaltung an: Jüdische Gemeinde, Gewerkschaften, evangelische und katholische Kirche und Jugendverbände hatten auf der Hauptwache zu einer eigenen Kundgebung aufgerufen. Als Sprecher dieses „Römerbergbündnisses“ forderte der hessische DGB-Vorsitzende Jungmann ein Verbot der rechtsextremen Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP), die entgegen ihrer Ankündigung nicht in Erscheinung trat. Pfarrer Herbert Leuninger wandte sich für „pro asyl“ gegen die NPD -Forderung, Frankfurt solle eine „deutsche Stadt“ werden. Im weiteren Demoverlauf versuchten Polizeibeamte vor dem Merianplatz einzelne Vermummte aus dem in geschlossenen Ketten marschierenden Autonomen Block von annähernd 1.000 Menschen herauszugreifen, was durch das entschiedene Auftreten der DemonstrantInnen unmöglich gemacht wurde.
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