piwik no script img

Deutsche B-Waffen-Hilfe?

■ Irak soll biologische Waffen mit deutscher Hilfe produzieren / Kanzler Kohl: „Ich höre Hinweise“

Berlin/Düsseldorf (taz) - Mit bundesdeutscher Hilfe sollen im Irak und in Libyen nicht nur chemische, sondern auch biologische Waffen hergestellt werden. Der Privatfernsehsender RTL-Plus hatte Mittwoch abend berichtet, im Irak gebe es eine B-Waffen-Produktionsstätte mit „deutscher wissenschaftlicher Begleitung“. Bundeskanzler Kohls Reaktion auf die neuen Vorwürfe während einer Pressekonferenz gestern im Düsseldorfer Landtag: Keine Antwort. Begründung: Die Bundesregierung werde dem Parlament, wie am Mittwoch zugesagt, einen ausführlichen Bericht vorlegen. Bis dahin wolle er sich nicht mehr äußern, da man ihm sonst den Vorwurf der „Mißachtung des Parlaments“ machen könne. Zur Frage, ob er Hinweise für eine B -Waffenproduktion in Libyen habe, erklärte der Kanzler: „Ich höre Hinweise, wie Sie sie auch hören, aber ich habe bisher nichts Beweiskräftiges.“ Beweise über eine mögliche bundesdeutsche Beteiligung an der Produktion biologischer Waffen soll die Parlamentarische Kontrollkommission für die Geheimdienste sammeln. Dies forderte der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Penner.

Biologische Waffen sind lebende Organismen wie Bakterien, Viren, Toxine, Hormone oder daraus gewonnene Substanzen, die den Organismus vorübergehend lähmen, aber auch tödlich sein können. 1972 unterzeichneten über 100 Staaten ein Abkommen über das Verbot der Entwicklung, Herstellung und Lagerung. Dennoch experimentieren mindestens zehn Länder mit Biowaffen, darunter die USA, die BRD, die UdSSR, China, vermutlich Taiwan, Nordkorea, Israel, Ägypten, der Irak, der Iran und Syrien.

mf/w.j.

Mit reinem Gewissen wissen

Auf taz.de finden Sie eine unabhängige, progressive Stimme. Frei zugänglich, ermöglicht von unserer Community. Alle Informationen auf unserer Webseite sind kostenlos verfügbar. Wer es sich aber leisten kann, darf – ganz im Zeichen des heutigen "Tags des guten Gewissens" – einen kleinen Beitrag leisten. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen