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Klavier-Konzert heute abend:

■ Hindemiths „ludus tonalis“

Im Schatten des lautstarken und werbeträchtigen Musik -Showgeschäftes und mit bescheidenen Finanzmitteln stellt die Musik-Abteilung der Hochschule für Künste (HfK) den Komponisten Paul Hindemith (1895-1963) vor. Daß dabei das kammermusikalische Schaffen im Vordergrund steht, ergibt sich schon aus den knappen Ressourcen. Das Programm in diesem Herbst beschließt heute abend die Vorstellung des „ludus tonalis“, Uz Weißenfels (Klavier) wird in der Stadtwaage (20 Uhr) spielen. Um den für die klassikgewohnten Ohren schwierigen Komponisten dem Publikum nahezubringen, wird Tobias Plebusch eine Einführung geben.

Der ursprüngliche Titel des „ludus tonalis“ (1942) war: „Kontrapunktische und klaviertechnische Übungen“. Er weckt Assoziationen an die Lehrwerke J.S. Bachs: Kunst der Fuge, Wohltemperiertes Klavier. Der ludus tonalis gilt als Hindemiths Vermächtnis an die Klaviermusik.

Die Komposition ist 1942/43 im amerikanischen Exil entstanden. Ähnlich wie bei Bartok oder Schönberg gerät die in den Staaten entstehende Musik zugänglicher, leichter und bei aller Kunstfertigkeit einfacher als etwa die des „Bürgerschrecks“ Hindemith der frühen zwanziger Jahre. Bei Hindemith ist dies nicht nur auf den Einfluß des neuen kulturellen Umfelds zurückzuführen, sondern ist als Ergebnis einer Entwicklung anzusehen. Hindemith hat den Bruch mit der traditionellen Tonsprache anders verarbeitet als die Vertreter der zweiten Wiener Schule, mit denen er nach dem Ersten Weltkrieg gemeinsam zur Avantgarde zählte.

In seiner „Unterweisung im Tonsatz“ (1937) bestreitet er die Möglichkeit atonaler, nicht grundtonbezogener Musik und entwirft ein System erweiterter Tonalität, das er aus den physikalischen Bedingungen der Musik ableitet. Der ludus tonalis stellt so etwas wie die konstruktive Realisierung dieser Theorie dar. Die tonartliche Disposition entspricht der in seiner „Unterweisung“ aufgestellten Naturtonreihe „Reihe I“. Nach Markus Baldeniu

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