: Grüne Perrier-Keulen mit Sprüngen
■ Weltweite Rückholaktion als Werbung ausnutzen? / Börsenaufsicht vermutet Insider-Handel
Berlin (taz) - Die grünen Keulenflaschen haben noch ein paar weitere Sprünge bekommen. Wegen des Benzol-Gehaltes im edlen Yuppie-Mineralwässerchen ist die Produktion jetzt nicht nur weltweit zurückgerufen worden - es haben sich noch ein paar andere hübsche Skandälchen eingeschlichen.
So gab Perrier-Chef Gustave Leven bekannt, daß die Firmenleitung bis letzten Freitag nicht darüber informiert worden sei, daß es in den letzten Monaten in allen Produktionlinien von Perrier zu Benzol-Verunreinigungen gekommen ist - wenn auch nicht bei allen gleichzeitig. Den Moment, in dem die schlechte Nachricht in dem guten Hause angekommen ist, wußte auch gleich ein bislang noch Unbekannter zu nutzen - aufgrund von Insider-Informationen kam es schon am letzten Freitag, noch vor der öffentlichen Bekanntgabe der Rückruf-Aktion in den USA, an der Börse in Paris zu einem heftig anschwellenden Handel mit Perrier -Titeln. Die französische Börsen-Aufsichtsbehörde COB hat Ermittlungen eingeleitet, auf daß wenigstens in diesem Fall der Missetäter gefunden werde.
Die Benzolspuren sollen nach Angaben des Chefs auf „menschliches Versagen“ zurückzuführen; die Quelle in Südfrankreich sei „absolut rein“. Sie enthalte, so die Erklärung, auch natürliches Benzol; die entsprechenden Filter der Abfüllanlage seien nicht oft genug ausgewechselt worden.
Für Verwirrung hatte dann auch noch eine Ankündigung des Perrier-Chefs geführt, daß die Flaschen nur in den Ländern zurückgerufen werden sollten, in denen Benzol in Lebensmitteln verboten ist. Das hätte allerdings, berieten Markting-Experten flugs ihren Chef, auf dem hochsensiblen, weil naturbewußten US-Markt, der für Perrier von großer Bedeutung ist, wohl das endgültige Aus bedeutet.
Argumentative Rettungslinie für die Rückholaktion, die Perrier runde 200 Millionen Franc kosten dürfte, ist jetzt folgende Überlegung: Viel Skandal, viel Werbung, ergo, nach der Reinigung noch mehr Verkäufe. Der Perrier-Kurs an der Börse stieg nach dem Absturz von 16 Prozent und der Aussetzung der Notierung am Donnerstag wieder um 2,5 Prozent.
diba
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