piwik no script img

Bürgerfunk contra Privatradio

■ O-Ton-Passagen führten zum Konflikt

Radio DU, das erste nordrhein-westfälische Privatradio, benannt nach dem Autokennzeichen Duisburg, hat seinen ersten inhaltlichen Konflikt. Die zweifelhafte Premiere ereignete sich im Rahmen des Bürgerfunkprogramms. Dieses wird - das Landesrundfunkgesetz in NRW macht's möglich - von Bürgergruppen täglich bis zu zwei Stunden verantwortet. Vorausgesetzt, der Chefredakteur funkt nicht dazwischen, wie er es bei einer Sendung über Totalverweigerung tat. Bürgerfunker Uwe Wesselbaum interviewte darin den Totalverweigerer Andreas Speck, um wenige Tage vor dem Gerichtstermin für Specks Dienstflucht-Prozeß Öffentlichkeit zu organisieren. Im Interview interpretierte der Totalverweigerer „die Aufgabe der Bundeswehr im Kriegsfall“ als „Mord oder Plünderung“. Beim Hören des eindeutigen O -Tons schnippte die Schere im Kopf des Chefredakteurs. Er sah die Bundeswehr geschmäht und nahm deshalb den Beitrag ohne Rücksprache mit dem Autor aus dem Programm. Anschließend tobte wochenlang der Stellungskrieg um die Freigabe der Sendung: Zwar ist Pieper als Chef verpflichtet, auch die von ihm verantworteten Bürgerfunksendungen „von strafbarem Inhalt freizuhalten“, aber nach jenem Oberlandesgerichtsurteil, daß die „Soldaten-sind-Mörder„ -Aussage mit Freispruch beurteilte, ist die Beleidigungsrelevanz selbst sinngemäßer Äußerungen nur noch sehr schwer herleitbar.

Trotzdem empfahl die Radio-DU-Justitiarin Weiß-Olitzka dem Chefredakteur, die inkriminierte Passage mit einem Piepston zu überlegen - dieses Verfahren ist jedoch für Profis nicht definiert. „Bei einem Piepston geht doch jeder davon aus, daß hier zensiert wurde.“ Um die Sendefreigabe zu bekommen, mußte die Passage herausgeschnitten werden. Dies führte dazu, daß die Sendung erst Wochen nach dem Prozeß ausgestrahlt werden konnte. „Leider bleibt uns nichts anderes übrig, als den Beschwerdeweg einzuschlagen“, sagte dazu Jürgen Mickley vom Bürgerfunkverein Radio Kakadu, in deren Studio der zensierte Beitrag produziert wurde. Bei der Landesanstalt für Rundfunk, dem aufsichtsführenden Wasserkopf in Sachen Privatfunk, fand die Beschwerde zumindest ein halboffenes Ohr: Aus dem Wasserkopf sickerte, daß Radio DUs Konfliktmanagement „wenig glücklich“ gewesen sei.

-puff

Eine Koalition, die was bewegt: taz.de und ihre Leser:innen

Unsere Community ermöglicht den freien Zugang für alle. Dies unterscheidet uns von anderen Nachrichtenseiten. Wir begreifen Journalismus nicht nur als Produkt, sondern auch als öffentliches Gut. Unsere Artikel sollen möglichst vielen Menschen zugutekommen. Mit unserer Berichterstattung versuchen wir das zu tun, was wir können: guten, engagierten Journalismus. Alle Schwerpunkte, Berichte und Hintergründe stellen wir dabei frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade jetzt müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Was uns noch unterscheidet: Unsere Leser:innen. Sie müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Es wäre ein schönes Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen