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ÖTV-Warnstreiks

■ 45.000 Staatsbedienstete folgten dem Aufruf zu befristeten Arbeitsniederlegungen

Berlin/Stuttgart (ap) - Die Beschäftigten im öffentlichen Dienst der DDR haben ihre Warnstreiks am Dienstag ausgeweitet. Rund 45.000 Staatsbedienstete haben nach Angaben des Stuttgarter Hauptvorstandes der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr in zahlreichen Städten die Arbeit für ein bis zwei Stunden niedergelegt, um höhere Einkommen und einen raschen Tarifabschluß durchzusetzen. Am Mittwoch will die ÖTV den Druck auf die Arbeitgeber verstärken und die Kampfmaßnahmen auf alle Ballungsgebiete ausdehnen.

Von den landesweiten Aktionen seien am Dienstag insbesondere der Nahverkehr und die kommunalen Wirtschaftsbetriebe im Bereich Verund Entsorgung sowie Einrichtungen des Gesundheitswesens betroffen gewesen, teilte Gewerkschaftssprecher Rainer Hillgärtner mit. Die Schwerpunkte der Warnstreiks, die von Demonstrationen und Kundgebungen begleitet waren, lagen seinen Angaben zufolge in Halle, Potsdam, Sonneberg, Schwerin, Frankfurt/Oder, Chemnitz, Zwickau und Plauen. In Magdeburg hätten die Streikenden zeitweise den Hafen- und Schleusenbetrieb an der Elbe lahmgelegt und in Schönberg seien die Pforten der Mülldeponie geschlossen geblieben.

Die ÖTV fordert für die 1,6 Millionen Beschäftigte im öffentlichen Dienst der DDR einen Teuerungsausgleich für Einkommenseinbußen, die nach ihrer Darstellung seit Inkrafttreten der Wirtschafts- und Währungsunion am 1. Juli hingenommen werden müssen. Bei der nächsten Verhandlungsrunde am 3. September in Ost-Berlin will die Gewerkschaft neben Lohn- und Gehaltsverbesserungen um 350 Mark monatlich, mindestens jedoch 30 Prozent, auch einen Sozialzuschlag von 50 Mark für jedes Kind erreichen.

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