piwik no script img

Einlenken in Nicaragua

Managua (taz) — Nicaraguas Innenministerium scheint im Fall der von Abschiebung bedrohten Deutschen einzulenken. Bei einem klärenden Gespräch mit den Entwicklungsarbeitern Otmar Jung und Harald Schöngart sowie deren Anwalt, deutete Frank Cesar, der Sprecher des Innenministers, am Donnerstag an, daß der Fall überprüft werde. Der Abschiebungsbeschluß sei auf Grundlage des Polizeiberichts erfolgt, der alle Festgenommenen in einen Zwischenfall bei der Feier zur deutschen Einheit in Managua verwickelt. Zwar ist die Stornierung der Aufenthaltsgenehmigung der beiden noch nicht aufgehoben, doch geben sich die Behörden nach internationalen Protesten und Bittschriften der nicaraguanischen Institutionen, für die die beiden arbeiten, weniger unbeugsam als noch vor wenigen Tagen. Den Fall der bereits abgeschobenen niederländischen Journalisten Marietta Vervest will die Regierung gleichfalls überprüfen.

Sollte das Innenministerium seinen Abschiebungsbeschluß zurücknehmen, wird die sandinistische Polizei als willkommener Sündenbock dienen. Sie hätte unzureichend ermittelt. Die Polizei ist schon in der fraglichen Nacht unter Beschuß gekommen, weil alle verfügbaren Agenten zur Totenwache für Comandante Carlos Nunez abgestellt waren und die Veranstaltung der deutschen Botschaft, wo Frau Chamorro und fast das gesamte Kabinett auf die deutsche Einheit anstießen, ohne Schutz gelassen wurde. rl

Eine Koalition, die was bewegt: taz.de und ihre Leser:innen

Unsere Community ermöglicht den freien Zugang für alle. Dies unterscheidet uns von anderen Nachrichtenseiten. Wir begreifen Journalismus nicht nur als Produkt, sondern auch als öffentliches Gut. Unsere Artikel sollen möglichst vielen Menschen zugutekommen. Mit unserer Berichterstattung versuchen wir das zu tun, was wir können: guten, engagierten Journalismus. Alle Schwerpunkte, Berichte und Hintergründe stellen wir dabei frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade jetzt müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Was uns noch unterscheidet: Unsere Leser:innen. Sie müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Es wäre ein schönes Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen