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Hören tut auf die niemand...

■ Betr.: "Leipzig grüßt Kanzler", taz vom 26.3.91

betr.: „Leipzig grüßt Kanzler“, taz vom 26.3.1991

Endlich kann ich mal wieder lachen in dieser doch eher langweiligen politischen Nachkriegssituation. Seien wir ehrlich — seit der „Reichstagswahl“ gab es doch nichts Interessantes, was deutsche Politik anging. Aber jetzt tanzen die Jecken wieder. Kohl meint, alles sei gar nicht so wichtig, man munkelt, er habe einen neuen, noch tieferen Sessel geordert — damit sitzt es sich besser und man fliegt vielleicht nicht so schnell raus. Engholm und Co. wittern den Wind, der ihnen nützen könnte und halten die Fahne schnell raus, um wenigstens einen Hauch abzubekommen und dann sagen zu können: „Seht her, wir bringen etwas in Bewegung!“ Ganzseitige Anzeigen der IDEE erscheinen mit der Forderung, diese Regierung möge abtreten, und man nimmt sich mit einer Idee, die ungefähr so aussichtsvoll ist wie vom Eiffelturm direkt in den Atlantik springen zu können, ungeheuer wichtig.

Nur die wirklich wichtigen Personen, die, die sich nicht zu Kasperln machen, die Menschen in Leipzig, Dresden, Zwickau, die werden allenfalls als sich bewegende Masse wahrgenommen und gezählt. Hören tut auf die niemand, wie schon in den letzten 40, ach, was sag ich, 4.000 Jahren nicht — das haben sie übrigens mit uns gemeinsam... Sebastian Lovens, Duisburg

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