piwik no script img

Interfraktionell gegen Kinderpornos

Berlin (taz) — „Private Videos“ heißt eines der Codewörter, mit denen Hersteller und/oder Händler von Kinderpornos auch in seriösen Tageszeitungen ihre Ware an den Mann bringen. Und der Markt ist expansiv, obwohl Kinderpornographie selbstverständlich verboten ist: Allein in der BRD soll es bereits ein Videonetz mit schätzungsweise 30.000 „Collectors“ geben. Ein Großteil der Streifen wird von „Amateuren“ hergestellt, von Vätern, Stiefvätern, Onkeln, die ihre Töchter und Söhne zwischen eins und zwölf Jahren nicht nur sexuell mißbrauchen, sondern ihre Gewalttaten auch noch filmen. Diese Videos werden privat ausgetauscht, zum Teil auch kommerziell hergestellt und lukrativ verkauft oder verliehen. Herstellung und Vertrieb sind jedoch schwer nachzuweisen, da Dritte daran meist nicht beteiligt sind, und die Filme nicht über den üblichen Weg wie Videotheken und Sexshops sondern verdeckt über Chiffreanzeigen verbreitet werden. „Kontaktanzeigen“ wie: „Vermiete junges Geschwisterpärchen für 1.000 die Nacht. Junge, 12, blond, Mädchen, 11, brünett. Beide absolut gefügig.“ sind dabei nur die Spitze des Eisberges. Fundort: Das Btx- Programm der Deutschen Bundespost.

Spät nun hat der Deutsche Bundestag in Bonn auf diese zunehmende und längst bekannte Form des Kindermißbrauches reagiert. In einem Antrag forderten gestern Abgeordnete aller Fraktionen, unterstützt von den Kinderbeauftragten der Parteien und von der Bundesregierung, die herrschenden Gesetze entsprechend zu verändern. So wollen die AntragstellerInnen überprüfen lassen, ob nicht schon der Besitz von Kinderpornos unter Strafe gestellt werden kann. Wer gegen das Verbot der Kinderpornographie verstößt, soll demnach bis zu drei Jahren Haft (bisher lediglich ein Jahr) bekommen. Die Abgeordneten verlangten vor allem auch, daß das Btx-Programm der Bundespost für Anbieter dieser Filme sofort gestoppt wird. Außerdem sollen Sonderdezernate für Kinderpornographie bei den Ermittlungsbehörden eingerichtet werden. Die internationale Zusammenarbeit müsse verbessert werden, so der Antrag. uhe

Mit reinem Gewissen wissen

Auf taz.de finden Sie eine unabhängige, progressive Stimme. Frei zugänglich, ermöglicht von unserer Community. Alle Informationen auf unserer Webseite sind kostenlos verfügbar. Wer es sich aber leisten kann, darf – ganz im Zeichen des heutigen "Tags des guten Gewissens" – einen kleinen Beitrag leisten. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen