: Union: Abtreibungsstreit spitzt sich zu
■ Erste Bewährungsprobe für den frischgebackenen CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden Schäuble
Bonn (dpa) — Der neue CDU/CSU- Fraktionsvorsitzende Wolfgang Schäuble steht vor seiner ersten Bewährungsprobe: Der Streit in der Unionsfraktion um die Reform des Abtreibungsrechts spitzt sich zu. Schäuble will noch in dieser Woche versuchen, die Fraktion auf eine gemeinsame Haltung festzulegen. Inzwischen hat sich auch Bundeskanzler Helmut Kohl mit harschen Rügen an Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) und den sechs Unions- „Abweichlern“, die in der Abtreibungsfrage für einen Konsens mit dem Koalitionspartner FDP sind, in die Debatte eingeschaltet. Kohl bezeichnete es als „unerträglich“, daß Süssmuth mit ihrer Forderung nach einer „Gewissensentscheidung“ den Eindruck erwecke, in der Fraktionssitzung gebe es keine Gewissensfreiheit. An den sechs „Abweichlern“ hatte Kohl auszusetzen, daß sie unter Umgehung der fraktionsinternen Diskussion mit ihren Vorschlägen gleich an die Öffentlichkeit gegangen seien. Die Gruppe um den CDU- Abgeordneten Friedbert Pflüger, die auf mindestens 50 Abgeordnete geschätzt wird, strebt einen sogenannten dritten Weg in der Abtreibungsfrage an, bei dem die Frau in einer Notlage die letzte Entscheidung hat. Auch die CSU-Landesgruppe faßte bei ihrer Sitzung am Montag noch keinen Beschluß über einen eigenen Antrag zum Abtreibungsrecht. Grundlage muß aus ihrer Sicht der vereinbarte Kompromiß einer veränderten Indikationsregelung bleiben, bei der der Arzt das letzte Wort bei einem Abbruch hat. Schäuble selbst ließ diese Position bei einer internen Sitzung des Fraktionsvorstandes von CDU und CSU zum Beschluß erheben und kündigte noch für diese Woche seine Vermittlungsversuche an.
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