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Hans Lietzau (1913-91)

Selbst sein Tod hatte etwas Theaterhaftes: Ein Schauspieler und Regisseur, der über 50 Jahre lang fürs Theater gearbeitet hatte und auch mit 78 Jahren nicht ans Rentnerdasein dachte, stirbt mitten in den Proben zu einem Stück mit dem Titel Vor dem Ruhestand. Die Thomas-Bernhard-Inszenierung sollte seine erste Arbeit für die Staatlichen Bühnen nach dem Ende seiner Intendanz 1980 werden. Am Samstag erlag Hans Lietzau einem Herzversagen.

Die Schauspielerei hatte er noch an der Schauspielschule des Preußischen Staatstheaters Berlin gelernt, ab 1933, unter anderem bei Gründgens und Leopold Jessner. Nach ersten Engagements (u.a. Kiel, Leipzig, Wien) arbeitete er im Nachkriegsdeutschland ausschließlich als Regisseur, wurde 1954 beim Intendanten Barlog Oberspielleiter der Staatlichen Bühnen Berlins und blieb es zehn Jahre lang. Nach Zwischenstationen in München und Hamburg wurde er 1972 dann Intendant in seiner Heimatstadt Berlin.

Als Regisseur und Intendant hat Lietzau sich wie kaum ein anderer ums zeitgenössische Theater gekümmert: Er inszenierte u.a. Dürrenmatt, Grass, Genet, oft in Ur- oder deutschen Erstaufführungen.

Lietzau war ein im besten Sinne Konservativer des deutschen Theaters: Er wollte schlüssig und spannend ins Bild setzen, was ein Autor zu erzählen hatte; die jeweils aktuellen Trends und Moden des Theatermarktes interessierten ihn herzlich wenig. Als konsequent, hartnäckig bis zur Sturheit, aber nicht humorlos beschreiben ihn Schauspieler, die mit ihm arbeiteten. Loben und meckern konnte er gleichermaßen unerbittlich. Seine Inszenierungen waren nicht immer sehr originell — aber ohne Ausnahme handwerklich wasserdicht, oft von großer Klarheit und Einfachheit. Ein Regisseur der alten Schule. Auf seinem Gebiet absolut unersetzlich. Klaus Nothnagel

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