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Polizei dreht Däumchen

■ Hunderschaften frönten im PDS-Archiv dem Nichtstun

Mitte. Eine ganze Woche lang war das Partei-Archiv der PDS das bestbewachteste Archiv der Welt. Mehrere Hunderschaften der Polizei drehten seit Dienstag dem 31.März in den Korridoren und Eingängen Däumchen, während 30 Staatsanwälte das Archiv nach Beweismitteln gegen frühere SED- Größen durchforsteten.

Die mitgeführten Polizeihunde wurden einfach im Hof der Parteizentrale Gassi geführt. Hätte die Leiterin des Parteiarchivs Inge Pardon die unformierten Herrchen nicht so entschlossen aufgefordert, die Hundescheiße wegzuräumen, würden die Häufchen dort wohl noch heute vor sich hinstinken.

Eine Erklärung für das Polizeiaufgebot, das erst am Montag abgezogen wurde, blieb Justizsenatorin Jutta Limbach schuldig. Als sie der PDS-Vorsitzende Gregor Gysi in einer Talk-Show fragte, ob Polizei und Staatsanwaltschaft nichts Besseres zu tun hätten, bekam er nur Ausflüchte wie, das hätten die Ermittlungen erforderlich gemacht, zur Antwort. Gysi konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, daß mit dem öffentlichkeitswirksamen Polizeiaufgebot Kommunal-Wahlkampf betrieben werden sollte, um die PDS als kriminell zu stigmatisieren.

Schließlich, so Gregor Gysi, habe er den Landespolizei-Direktor Kittlaus am 27. März dahingehend informiert, daß im Rahmen von Ermittlungsverfahren benötigte Unterlagen wie in früheren Fällen »selbstverständlich« auf Beschluß des Gerichtes herausgegeben würden. Den Beweis, daß die Polizei nicht vonnöten war, hat der gestrige Tag gebracht, an dem die Durchsuchung auch ohne die Beamten und ihre Köter fortgesetzt wurde. plu

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