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Krieg in Jugoslawien

■ betr.: "Herta Müller: Die Tage werden weitergehen", taz vom 8.9.92

betr.: „Herta Müller: Die Tage werden weitergehen“,

taz vom 8.9.92

Daß Frau Müller in ihrem Beitrag zu dem Ergebnis kommen mußte, zu dem sie letztlich kam, ist natürlich nicht verwunderlich, denn schließlich hat sie als Vertreterin der Aggressionskriegsposition diesen Beitrag geschrieben. Staunen darf man aber über die Art und Weise wie Frau Müller zu ihrem Ergebnis kommt.

Man entledigt sich einfach jeglicher Historizität und macht seine persönlichen Erfahrungen zur Grundlage seines Geschichtsverständnisses und schon liegt das Ergebnis auf der Hand. [...]

Natürlich soll der prägende Charakter solcher persönlichen Erfahrungen nicht in Abrede gestellt werden. Aber hätte Frau Müller nicht gerade deswegen gleich anschließend die Frage aufwerfen müssen, ob es nicht gerade ihre Erfahrung mit einer Diktatur ist, die ihr den Blick für das Jugoslawienproblem vielleicht doch etwas verstellt? Aber nein, Frau Müller hat es in ihrem Beitrag weder nötig, ihre Denkkategorien auch nur ansatzweise kritisch einzuholen noch hat sie es nötig, ihre Argumentationsstruktur zu reflektieren.

Nein, von dieser Argumentation — wenn man sie denn als solche bezeichnen will — wird sich der „westdeutsche“ Intellektuelle hoffentlich genausowenig beeindrucken lassen wie der „ostdeutsche“. Und die beschränkte Welt der Banatdeutschen aus Rumänien wird dadurch bestimmt ebenfalls nicht erweitert, denn die meisten dieser Menschen wußten auch schon vor Frau Müllers Beitrag, daß die Serben Schuld an dem Gemetzel auf dem Balkan sind. Wieso? Weil „der Serbe“ immer schon schlecht und verderbt war. Ist doch logisch, oder? Dieter Marschang,

Banatdeutscher aus Rumänien

mit Diktaturerfahrung

Herzlichen Dank an Herta Müller für ihren brillanten Beitrag und ihren Mut, die Dinge beim Namen zu nennen. Auch die deutschen Intellektuellen müßten ihr danken, da sie durch ihren Artikel bewies, daß es immer noch solche gibt, die aufrechten Gang nicht scheuen. Einige von den bislang veröffentlichten Beiträgen ließen den Eindruck entstehen, daß deren Autoren nicht nur inkompetent, sondern beinahe minderbemittelt sind. Martin Cavelis, Freiburg

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