: Frauen- & Fremdenfreundlichkeit
■ Frauen-Aktionen: Mahnwachen, Kontakte, Patenschaften
Frauen- & Fremdenfreundlichkeit
Frauen-Aktionen: Mahnwachen, Kontakte, Patenschaften
„Das Asylrecht ist männlich. Spezifische Fluchtgründe von Frauen werden nicht anerkannt!“, erläuterte die Politikwissenschaftlerin Iris Bubenick-Bauer letzte Woche vor knapp 100 Zuhörerinnen im Haus des Bremer Frauen - Erwerbs- und Ausbildungsvereins. Dorthin hatte die Fraueninitiative „Bremerinnen für Frauen- und Fremdenfreundlichkeit“ geladen.
Wie über ferne Ereignisse würde von Krieg und Vergewaltigung berichtet, kritisierte die Mitinitiatorin und Rechtsanwältin Jutta Bahr-Jenges die Medien. „Diese Bilder sollen uns vortäuschen, daß die Wirklichkeit hier eine andere ist. Ist sie aber nicht.“ Iris Bubenick-Bauer pointierte: „Männergewalt prägt auch unseren Alltag. Angriffe auf deutsche und auf ausländische Frauen werden überwiegend von Männern unternommen.“
Wie Flüchtlingsfrauen hier leben, schilderte eine Mitarbeiterin der psychosozialen Beratung für Flüchtlinge, „Refugio“: „Seit den vermehrten Angriffen auf Flüchtlinge trauen sich viele der geflüchteten Frauen nicht mehr auf die Straße! Warten, warten und nochmal warten — das macht sie krank!“ Besonders drastisch ist die Situation der 270 alleinstehenden Flüchtlingsfrauen, die zur Zeit in Bremen leben. Oft müssen sie mit Männern, die sie gar nicht kennen, einen Raum teilen. Vor allem für diese Gruppe will die Initiative sich mit Patenschaften einsetzen.
Ulrike Hiller, die zur Zeit der Pogrome von Hoyerswerda in einem Bremer Flüchtlingsheim arbeitete und vor kurzem eine Studie über die Situation von Flüchtlingsfrauen in Bremen veröffentlichte, sprach sich für die persönliche Kontaktaufnahme zu Flüchtlingsfrauen aus. Zugleich mahnte sie: „Wir müssen uns dabei an den Bedürfnissen der Frauen orientieren!“
Das alles soll bald geschehen. Inzwischen haben sich schon funktionierende Unterstützerinnen- Gruppen und Telefonketten gebildet; Bremerinnen wollen Flüchtlingsfrauen mit Rat und Tat helfen, bei Arzt- und Behördengängen, mit Spenden, durch Kontakte in die Heime hinein. Mehr erfahren können Bremerinnen am Samstag ab 14 Uhr von den Mahnwachen-Frauen am Turmbläserbrunnen neben dem Dom. 60 Frauen waren letzten Samstag erschienen. Als „Frauen in Schwarz“ wird die Fraueninitiative für weibliche Asylrechte und gegen Rassismus eintreten, weitere Interessierte sind herzlich willkommen. ede
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