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Aids-Bekämpfung: Viele Worte und kein Geld

■ In Abidjan hat gestern eine afrikanische Aids-Konferenz begonnen

Berlin (taz) – Im Jahre 2000 werden jährlich eine Million Afrikaner an Aids sterben; zehn Prozent aller Kinder auf dem Kontinent werden Waisen sein. Mit diesen Projektionen hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im vergangenen Jahr auf dem Staatengipfel der Organisation Afrikanischer Einheit (OAU) Alarm geschlagen. Die in düsteren Farben beschworene „Katastrophe“ vermochte die versammelten Staatschefs allerdings kaum zu beeinflussen: Das Thema wanderte an den Schluß der Tagesordnung, und das OAU-Generalsekretariat konnte nach Ende des Gipfels nicht sagen, ob das vorgestellte Aktionsprogramm überhaupt verabschiedet wurde.

Seit gestern sind in Abidjan, der Metropole der Elfenbeinküste, zahlreiche afrikanische Minister und Vertreter internationaler Organisationen versammelt, um das tatsächlich doch verabschiedete Aktionsprogramm von Dakar endlich in die Tat umzusetzen. Die Chancen dafür stehen schlecht, denn es ist ehrgeizig: Bis Mitte 1993 sollen alle Afrikaner über die Transmissionswege des HIV-Virus Bescheid wissen; bis Ende 1993 soll jedes Land einen Aids-Bekämpfungsplan verabschieden; bis Ende 1994 soll ein „globaler Plan für Afrika“ erarbeitet werden, der den Geberländern und internationalen Organisationen „die notwendigen finanziellen Ressourcen für den Kampf gegen Aids und die Eindämmungen der Folgen der Epidemie“ entlocken könnte.

Auf der Tagesordnung des nicht von der OAU, sondern von der Afrikanischen Entwicklungsbank organisierten Treffens stehen vor allem altbekannte Themen: Bestandsaufnahme der Epidemie und ihrer Folgen, Diskussion gemeinsamer Strategien. 7,5 Millionen Afrikaner sollen derzeit HIV-positiv sein – doch wo die Epidemie sich gegenwärtig am stärksten ausbreitet und wieso, ist kaum bekannt. Liegt es vor allem an Vergewaltigungen von Frauen durch HIV-positive Soldaten in kriegerischen Auseinandersetzungen? Liegt es an der Prostitution in den großen Metropolen und entlang der Wanderrouten von Saisonarbeitern? Oder auch am Mangel an Hygiene im Gesundheitswesen? Jede Antwort stimmt zum Teil – keine ist für eine wirksame Strategie allein ausreichend. Und auch die Pflege der bereits Erkrankten ist auf dem verarmten Kontinent nicht gewährleistet – nicht einmal für die, die sie bezahlen können: Das Krankenhaus im Abidjaner Stadtteil Treichville beispielsweise ist zu 70 Prozent mit Aidskranken gefüllt, die jeweils 170 DM Aufnahmegebühr gezahlt haben, mangels Medikamenten jedoch zumeist still in ihren Betten dahinsiechen. D.J.

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