: Unterm Strich
„Gut,“ hatte Wladimir W. Majakowski einst einem Verleger konzidiert, „wenn Sie wollen, werde ich ganz delikat sein, kein Mann, sondern eine Wolke in Hosen.“ Sprach's und schrieb die gleichnamige Gedichtsammlung, aus der wir Ihnen, geneigte Leser, zum hundertsten Geburtstag des geistigen Suprematisten und in Nachfeier unseres Porträts vom Samstag eine kleine Kostprobe für den heutigen Montag zur geflissentlichen Kenntnisnahme beigesellen möchten:
Fäuste raus aus den Hosentaschen,
die ihr da müßig schlendert!
Nehmt einen Stein, ein Messer, eine Bombe;
und fehlen einem vielleicht die Hände,
so diene ihm der Schädel als Rammbock!
Brecht auf!
wir wandeln den Dienstag, den Montag
zum einzigen Sonntag in blutigem Glanze!
Mit Hilfe hochmodernster Technologien ist es dem auf Zeitsprünge und extraterrestrische Simultaneität setzenden Berliner Werkbund- Archivs gelungen, Kontakt zum Dichter herzustellen, der seinerzeit selbst liebend gern Telefon, Kino und Flugzeug benutzte. Mit anderen Worten: Sie, geneigte Leser, werden am heutigen Montag die Möglichkeit haben, mit der Wolke in Hosen am Telefon zu parlieren! Get it? Majakowski am Telefon ist die Losung, und Sie wählen zu diesem Ende die Berliner Nummer 030/ 692 68 90. Ein letztes Pröbchen:
Um entbrannt zu gefallen/ kostümier ich/ mich ganz unglaublich, mach mich auf die Beine,/ werde als Landfahrer rührig,/ und vorneweg führ ich/ Napoleon wie einen Mops an der Leine.
Untertänigst verbleiben wir, da wir Ihnen nun jetzt den Montag zum Sonntag gemacht zu haben hoffen, ziehen den Hut, drehen bei, und wünschen ein höchst pikantes Telefonat mit dem Mann, der die Revolution betrat wie ein Eigenheim: Er riß erstmal die Fenster auf (Viktor Sklovski).
Mit reinem Gewissen wissen
Auf taz.de finden Sie eine unabhängige, progressive Stimme. Frei zugänglich, ermöglicht von unserer Community. Alle Informationen auf unserer Webseite sind kostenlos verfügbar. Wer es sich aber leisten kann, darf – ganz im Zeichen des heutigen "Tags des guten Gewissens" – einen kleinen Beitrag leisten. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen