piwik no script img

Traurig und zufrieden

■ Der Dreispringer Ralf Jaros hüpfte knapp an der Bronzemedaille vorbei

Stuttgart (dpa) – Wer Ralf Jaros beim Anlauf sieht, weiß, dem Mann ist alles zuzutrauen. Die graublauen Augen starr auf den Absprungbalken gerichtet, der Pferdeschwanz und die langen Koteletten schwarz glänzend vor Schweiß und ein stoppelbärtiges Kinn, das aussieht, als könnte er Ziegelsteine damit zertrümmern. Am Montag sah der Dreispringer aus Wattenscheid entschlossener aus denn je. Bei jedem Satz sprang er volles Risiko, „denn anders hast du in so einem Feld keine Chance“, meinte er. Am Ende fehlten zehn Zentimeter zu einer Medaille.

„Das Ergebnis ist in Ordnung, aber ich bin trotzdem traurig über den undankbaren vierten Platz“, sagte der 27 Jahre alte Industriekaufmann. Dennoch zog er aus der Plazierung hinter Mike Conley (USA), Leonid Woloschin (Rußland) und Jonathan Edwards (Großbritannien) tiefe Befriedigung: „Ich habe endlich in einem großen internationalen Wettbewerb gezeigt, daß ich da vorne reingehöre.“ Besonders eindrucksvoll war, daß er im dritten Versuch schon beinahe vor dem Aus stand. Aber nervenstark flog Jaros auf 17,34 m und hievte sich damit in den Endkampf.

Ralf Jaros hat in seiner Karriere viele Täler durchschreiten müssen, ehe er die Bestätigung erhielt, zu den ganz Großen zu gehören. Vier Knieoperationen mußte er über sich ergehen lassen und konnte fast fünf Jahre lang keine Wettkämpfe bestreiten. 1991 krönte er sein Comeback mit dem Deutschen Rekord von 17,66 m. „Das war noch nicht das Optimum“, versprach er damals. Doch seither blieb ihm ein weiterer ganz großer Auftritt verwehrt. Besonders Barcelona war bitter für ihn: dort scheiterte er in der Qualifikation.

Eine Koalition, die was bewegt: taz.de und ihre Leser:innen

Unsere Community ermöglicht den freien Zugang für alle. Dies unterscheidet uns von anderen Nachrichtenseiten. Wir begreifen Journalismus nicht nur als Produkt, sondern auch als öffentliches Gut. Unsere Artikel sollen möglichst vielen Menschen zugutekommen. Mit unserer Berichterstattung versuchen wir das zu tun, was wir können: guten, engagierten Journalismus. Alle Schwerpunkte, Berichte und Hintergründe stellen wir dabei frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade jetzt müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Was uns noch unterscheidet: Unsere Leser:innen. Sie müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Es wäre ein schönes Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen