: Flitzer geschnappt
■ Polizei läßt nackte KünstlerInnen laufen, schützt aber die Öffentlichkeit
Erst sollte es eine Kunstaktion sein, dann aber flitzten sie wirklich – der Polizei davon. Torsten und Simone, die beiden Nackten, mußten sich von zwei Polizisten in der Fußgängerzone Wilmersdorfer Straße in Charlottenburg kurzzeitig festsetzen lassen. Mit ihren Uniformjacken schützten die jungen Ordnungshüter die Öffentlichkeit vor dem Anblick der künstlerisch inspirierten Nudisten. „Wir sollten uns ausweisen“, berichtete Simone entwaffnend, „aber wir waren ja nun nackt.“
Einen längeren Polizeigewahrsam verhinderte ein Brief des Kultursenators Ulrich Roloff-Momin. Er unterstütze die Aktion und bat um freies Geleit. Ganz wie im Mittelalter. Die freundlichen Polizisten kannten Momin nicht. Also mußte gefunkt werden. Die Marktfrauen in der Fußgängerzone kreischten erbost. „Festnehmen, die Nackten da!“ Ansonsten soll das Publikum erfreut gewesen sein über die beiden nackten „vorbeirauschenden Engel“. Vor allem am Ku'damm. Junge Leute hoben die Daumen und feuerten an. Männer baten den Flitzer und seine Begleiterin, „doch mal stehenzubleiben“.
Das aber war nicht Sinn der Aktion. Wie eine Erscheinung sollen sie sein. Plötzlich auftauchen und wieder verschwinden. So will es Carsten Höller. Mit zwölf KollegInnen will er bei der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst „integrale“ Kunst veranstalten, das heißt unters Volk bringen. „In einem interaktiven Prozeß soll eine möglichst uneingeschränkte Öffentlichkeit teilhaben“, so Höller. Simone übersetzt: Er will die Leute verändern, indem er sie aus dem Alltag rausholt. Heute flitzen sie wieder. Wo, wissen wir nicht. cif
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