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Raus, bevor's schlapp wird

Letzte „Schmidt-Mitternachtsshow“, Sa., 22.00 Uhr, N3

Schweres, schwules Geschütz fuhr Corny Littmann noch einmal auf, um aus der letzten „Schmidt-Mitternachtsshow“ ein großes Abschiedsspektakel zu machen: Diseusen-Diva Georgette Dee sang mitreißend vom Arsch, Marianne Rosenberg intonierte sichtlich widerwillig ihre Homo-Hymne „Ich bin wie du“, und Hella von Sinnen forderte pflichtbewußt, „die homosexuelle Lebensgemeinschaft an sich abzusichern“. Dazu ließ der NDR echte, unzensierte (aber schlaffe) Dödel über den Bildschirm flimmern.

„Aufhören, wenn's am besten ist“, hieß die Losung von Schmidt-Erfinder Corny Littmann. Doch seine Show war in Wirklichkeit schon lange schal. Littmann alias Schmidt mutierte zusehends zum selbstdarstellungsgeilen NDR-Napoleon, Lilo Wanders, alias Ernie Reinhard, zur Langzeitinsassin des Berliner Café Kranzler; Marlene Jaschke, alias Jutta Wübbe, flattert mittlerweile nicht nur Waltraud, sondern auch ihr Witz weg. Das Publikum im Tivoli- Theater auf der Hamburger Reeperbahn wurde mit sinkendem Niveau sichtlich stinknormaler, und aus der subversiven Homo- Show letztlich eine öffentlich- rechtliche Zote auf Ferienclub- Niveau. Da hätte nur noch gefehlt, daß der Bayerische Rundfunk die Sendung nicht länger boykottiert.

Die Zweieinhalb-Stunden- Abschiedsshow war eine bezeichnende Huldigung an das Fernsehen, das die Schmidts großgemacht hat: Die blonde Regisseurin Geli Fuchs durfte sich endlich einmal zeigen, und die Kamera-Männer mochten einen Cancan tanzen. „Wir spielen, wie das Fernsehen es erlaubt“, sang Corny Littmann – und es war leider nur allzu wahr.

Dabei war es einmal anders: Man erinnere sich nur an die legendäre Show aus dem Scharbeutzer Badeparadies, an die ergreifende Aussprache zwischen originalen Hausfrauen und echten Homos in der Badewanne („Könnte euch eine wie Claudia Schiffer vielleicht doch noch umstimmen?“) oder an den legendären T-Shirt-Skandal: Der WDR blies zur Zensur, als Littmann in der Sendung vom Juni letzten Jahres auf seinem Hemd das Aidshilfe-Bild zweier junger Männer beim Oralverkehr präsentierte (Text: „Blasen O.K. – raus, bevor's kommt“). Schwänze waren damals nicht zu sehen – aber so schlaff wie in der Abschiedsshow vom Samstag waren sie bestimmt nicht. Marc Fest