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Downtown-Zen mit Noise-Freunden

■ Der Trompeter Toshinori Kondo gastiert mit seiner Band IMA in der Fabrik

Produkte aus dem Reich der aufgehenden Sonne sind tief in unserem Alltag verwurzelt. Von Keksen bis zu Mikrochips werden hiesige Verbraucher mit Gütern einer Industriegesellschaft konfrontiert, über die die meisten Menschen so gut wie nichts wissen. Doch wer sich mit der japanischen Gesellschaft bekannt macht, stellt fest, daß Tradition im computergesteuerten Alltag noch präsent ist. Der Geist der Samurai schwebt selbst in sterilen Großstädten wie Tokio. Dieses Verhältnis bringt der Trompeter Toshinori Kondo mit seiner Band International Music Activities (IMA) seit Jahren eindrucksvoll zum Ausdruck. Durch das Herz hochwertiger Computer schickt er Töne, die tief in der japanischen Tradition verwurzelt sind.

Toshinori Kondo zieht seine musikalischen Grenzen allerdings nicht in akademischer Engstirnigkeit: „Wenn ein Kind geboren wird, schreit es, und dieses Schreien klingt überall auf der Welt gleich. Das verstehe ich unter ethnischen Ursprüngen, und dorthin möchte ich mit meiner Musik zurückfinden.“ Der Urschrei als gemeinsamer Nenner des globalen Dorfes?

Momentan konfrontiert Kondo seinen persönlichen Zen-Buddhismus mit New Yorks rauhem Leben. In der Ostküsten-Metropole weilte er für fünf Jahre, mischte sich unter die Prominenten zeitgenössischer Musik und musizierte mit ihnen: Bill Laswell, John Zorn und Fred Frith sind beispielsweise seine Partner. High-Tech-Folklore oder postmoderne Avantgarde, wie auch immer Kritiker Kondos Gefühlswelt apostrophieren, er malt nur Skizzen eines diffusen Großstadt-Lebens, die mal melancholisch, mal zerbrechlich oder voller Zärtlichkeit sein können. Bei allem Tun legt Kondo Wert auf Bescheidenheit. „Meine Worte entspringen ebenso der bedeutungslosen Welt wie die Töne“, meint er und läßt erkennen, daß er die Tugenden orientalischer Philosophen für seine Musik ebenso wie für sein Leben ver-innerlicht hat.

Nikos Theodorakopulos

24. 1., Fabrik

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