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Luftangriff in Kurdistan

■ Türkei bombardierte im Irak und Iran

Berlin/Ankara (taz/wps/ AFP/AP) – Während in Irakisch- Kurdistan Bomben niederprasselten, ließ sich die türkische Ministerpräsidentin Tansu Ciller im Militärhauptquartier in Ankara auf großen Monitoren auf dem laufenden halten. Stolz verkündeten ihre Militärs am Freitag, 50 Kampfflugzeuge des Typs F-4 und F-16, sowie fünf Hubschrauber hätten rund 110 Kilometer südöstlich der Landesgrenze, über dem von Kurden kontrollierten Norden Iraks, über 130 Bomben abgeworfen, darunter Splitterbomben. Laut Ciller handelte es sich um „die wichtigste Offensive der letzten zehn Jahre“ gegen die „Arbeiterpartei Kurdistans“ (PKK).

Nach türkischer Darstellung soll diese bei dem Dorf Saleh, nahe der iranischen Grenze, ihre Zentrale unterhalten. Zum Zeitpunkt der Bombardierung sollen demnach 1.600 bewaffnete PKKler in dem Camp gewesen sein, darunter Osman Öcalan, der Bruder von PKK-Chef Abdullah Öcalan. Militärsprecher behaupteten, das Lager sei zerstört worden. In der türkische Presse war von über 1.000 getöteten PKKlern die Rede. Die PKK berichtete von 12 Toten aus den eigenen Reihen.

Nach Angaben der Hilfsorganisation „medico international“, die in der Region ein Wiederaufbauprogramm betreibt, wurden mindestens 18 kurdische Zivilisten getötet, darunter zwölf Iraner. Im Nordirak stationierte UNO-Mitarbeiter scheiterten am Wochenende bei dem Versuch, in die verschneiten Gebirgstäler vorzudringen. Saleh liegt innerhalb der von den Golfkriegsallierten im Frühjahr 1991 nördlich des 36. Breitengrades proklamierten Flugverbotszone.

Sowohl die iranische Führung als auch die irakisch-kurdische Regionalregierung protestierten gegen die Angriffe. Nach Angaben aus Teheran bombardierten die türkischen Piloten auch iranische Gebiete und töteten neun Iraner. Gestern schlug die türkische Regierung vor, eine iranisch-türkische Untersuchungskommission einzusetzen.

Die irakisch-kurdische Regierung sprach von einer „unannehmbaren Aggression gegen die föderative Region und ihre demokratischen Institutionen“. Damit widersprach sie Darstellungen der türkischen Regierung, wonach die Aktion mit den irakischen Kurden abgesprochen worden sein soll. taud

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