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„Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren“

■ Betr.: „Die Post überläßt das Ge schäft der Konkurrenz“, taz vom 12.2.94

Durch die „Pflichtleistungsverordnung“ wird der Postdienst verpflichtet, Onkel Willis Paket vom abgelegenen Alpendorf an seine Nichte auf einer Nordseehallig zu mehr oder weniger akzeptablen Bedingungen zu transportieren – und das zum selben Preis wie von München nach Hamburg. Das ist sicher kein Geschäft für die Konkurrenz der Post.

Diese Verordnung gilt aber ausdrücklich nicht für Geschäftsbeziehungen mit Großkunden, für die weiterhin besondere Bedingungen gelten (z.B. Postgut, Selbstbucherpakete) bzw. ausgehandelt werden können. Hier ist eher zu fragen, womit die Fracht transportiert wird, ob und wie externe Kosten (Umweltbelastung durch Lkw!) in die Preiskalkulation einfließen, aber auch, unter welchen Bedingungen die Beschäftigten arbeiten (müssen).

Ob es ökologisch sinnvoll ist, für ein Paket, das in die Nachbarstadt transportiert wird, genausoviel zu verlangen wie für den Weg zum weitesten Winkel der Republik, ist überlegenswert. Es sollte auch diskutiert werden, ob dem Postdienst (und anderen öffentlichen Dienstleistern) für Pflichtleistungen mit sozialer Komponente nicht ein Zuschuß – z.B. für Mehraufwendungen in dünn besiedelten Gebieten – gezahlt werden sollte. Dieter Kreutzer, Berlin

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