: LehrerInnen in der Tat masochistisch -betr.: "Überreizte Taktik", taz vom 24.6.94
Betr.: „Überreizte Taktik“, vgl. taz v. 24.6.
Ihr habt vollkommen recht, LehrerInnen sind in der Tat allesamt MasochistInnen, insbesondere diejenigen unter ihnen, die auch noch regelmäßig die taz lesen. Wie anders wäre es zu erklären, daß wir uns Eure ständige Hetze gegen unseren Berufsstand ziemlich widerspruchslos gefallen lassen und weiterhin jeden Morgen zur taz greifen (wenn sie denn tatsächlich auch pünktlich da ist...)?
Allerdings frage ich mich schon seit langem, welche (abartige?) Veranlagung ich denn nun bei tazlerInnen diagnostizieren soll, die einerseits ständig Lehrerschelte betreiben und andererseits in nicht unerheblichem Maße von den Abogebühren eben jener Gescholtenen leben?
Übrigens oute ich mich hiermit als Ober-Masochistin überhaupt: nicht nur, daß ich mich beschimpfen lasse und Euch weiterhin dafür bezahle. Nein, ich habe bereits versucht, KollegInnen, die ihr masochistisches Verhältnis zur taz zu überwinden drohten, indem sie sie abbestellten, von dieser Entscheidung abzubringen. Von wegen: die taz ist doch sooo wichtig. Ja, so sind wir eben, wir PädagogInnen!
Schließlich können Generationen von Schülern nicht irren, wenn sie an die Wand sprühen: „Lehrer sind doof!“
Irene Meyer-Herbst
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