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Der Aufschwung läßt auf sich warten

■ Bundeswirtschaftsministerium korrigiert die Prognosen

Bonn/München/Berlin (dpa) – Die Krise hält an. Gestern hat das Bundeswirtschaftsministerium seine Prognosen korrigiert. Nach (vorläufigen) Berechnungen des Statistischen Bundesamtes sind die Aufträge für die westdeutsche Industrie im April um 0,5 Prozent, und im Mai um 0,1 Prozent gesunken. Vor vier Wochen war für April eine Steigerung um 0,5 Prozent gegenüber dem Vormonat angenommen worden. Vor allem der Export erfüllt seine Rolle als Konjunkturmotor nicht mehr. Im Vergleich zum Vormonat haben ausländische Kunden 1,5 Prozent weniger geordert, allein im Investitionsgütersektor gingen die Aufträge um 2,0 Prozent zurück.

Auch das Münchener Ifo-Institut dämpfte gestern mit seiner neuesten Unternehmensumfrage verfrühte Hoffnungen. Auch 1994 dürften die Investitionen noch einmal um ein Prozent absinken. Denn 1993 haben die westdeutschen Unternehmen noch immer zuwenig Kosten gespart. Am Anfang dieser, laut Ifo, schwersten Investitionskrise seit 1955, waren Investitionskürzungen um 15 Prozent geplant, tatsächlich wurden es 20 Prozent. Sogar die zunehmenden Bauaufträge motivieren die Branche nicht. Nach einer gesonderten Erhebung des Ifo-Instituts wollen die westdeutschen Bauunternehmen 1994 nochmals zehn Prozent weniger investieren, obwohl die Bauproduktion im Westen um etwa ein Prozent steigen dürfte. Die Zurückhaltung beruhe unter anderem darauf, daß angesichts erheblich günstigerer Konjunkturaussichten in Ostdeutschland verstärkt Investitionen in die Ostniederlassungen umgelenkt würden, so die Ifo-Forscher. Die Kollegen vom DIW in Berlin können diesen Trend bestätigen. Aber die Modernisierung verzögert sich. Erst im Jahr 2000 hat nach einer Analayse des DIW die Infrastruktur in der ehemaligen DDR das Niveau Westdeutschlands erreicht, Straßen und Abwasserbeseitigung werden auch dann noch weit dahinter zurückbleiben. nh

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