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Ansari plaudert über „Landshut“-Entführung

■ Kronzeugin in Norwegen vernommen

Oslo (dpa) – Die in Norwegen wegen Beteiligung an der Entführung der Lufthansa-Maschine „Landshut“ 1977 festgenommene Palästinenserin Soraya Ansari (41) hat bei Verhören mit Beamten der Bundesanwaltschaft aus Karlsruhe offenbar wichtige Angaben über die Hintergründe der Aktion gemacht. Dies berichteten Zeitungen in Oslo übereinstimmend nach dem ersten Tag der Verhöre an einem geheimgehaltenen Ort. Dabei soll es nach offiziell nicht bestätigten Angaben auch um die Rolle von bisher nicht belangten Deutschen bei der Planung der Kaperung gegangen sein, mit der unter anderem damals inhaftierte Mitglieder der Rote Armee Fraktion freigepreßt werden sollten.

Ole Johan Prytz, einer der beiden Anwälte Ansaris, gab gegenüber der Zeitung Dagbladet an, daß die vier aus Deutschland angereisten Beamten der staatenlosen Palästinenserin das deutsche Kronzeugenprinzip erläutert hätten. Bei den Verhören soll Ansari, die als einzige der vier Geiselnehmer die Befreiungsaktion durch die Bundesgrenzschutzeinheit GSG9 überlebt hatte, unter anderem die Decknamen mehrerer an der Entführung beteiligter Terroristen angegeben haben. Von denen ist eine Dagbladet zufolge eine Deutsche, der bisher eine Mittäterschaft nicht nachgewiesen werden konnte. Laut Dagbladet handelt es sich um eine Person aus Frankfurt/M., gegen die im März 1992 Haftbefehl erlassen wurde. Der Bundesgerichtshof hatte im Mai 1992 den Haftbefehl mit der Begründung aufgehoben, es bestehe kein begründeter Tatverdacht. Die Anwälte Ansaris wollen weiter die von Bonn beantragte Auslieferung ihrer Mandantin verhindern.

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