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Hinter dem islamischen Türsteher fließt Bier

■ Erste Palästinenserdisco in Bethlehem eröffnet / Einladung an die Hamas zum Besuch

Bethlehem (AFP) – In Bethlehem hat zum Weihnachtsfest die erste palästinensische Disco in den israelisch besetzten Gebieten eröffnet. Obwohl die Musik in großer Lautstärke aus dem Tanzschuppen dringt, lassen sich kaum Jugendliche anlocken. Für den 18jährigen Disc-Jockey, Aram Simon, ein klarer Fall: „Die Disco ist noch kaum bekannt, und derzeit sind eher besinnliche Weihnachtsfeiern angesagt.“ Aber langfristig werde der Laden „super laufen“.

Die Disco liegt in einem Untergeschoß. Auf der Tanzfläche bewegen sich ein Dutzend Jugendliche. Aram läßt neuesten Techno- Beat mit alten Hits von Madonna abwechseln, dazwischen ertönen immer wieder Nummern von Ägyptens Popstar Amr Diab, der sich zu einer Art Kultsänger der palästinensischen Jugend entwickelt hat. Joseph, 25 Jahre alt, ist mit seiner 16jährigen Schwester Doris gekommen. „Ich hoffe, das wird ein In-Treff, denn in Bethlehem gibt es ja sonst nichts“, sagt der Elektriker. Doris will aus Angst vor „muslimischen Angriffen“ nur in Begleitung in die Disco gehen.

Aram hat seine eigenen Vorkehrungen getroffen. Er schlug Aktivisten der Gruppen Hamas und Islamischer Heiliger Krieg vor, das Etablissement zu besuchen. Außerdem erklärte er ihnen, daß es besser sei, wenn palästinensische Jugendliche ihre Abende in seiner Disco verbrächten „statt in israelischen Nachtclubs Drogen zu konsumieren“. Der 21 Jahre alte Geschäftsführer hat sogar Sympathisanten der Fundamentalisten als Türsteher eingestellt. Seinen Kunden schenkt er wie selbstverständlich Bier ein.

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