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„Wir haben uns schrecklich geirrt“

■ Die USA und der Vietnamkrieg: McNamara bricht sein Schweigen

New York (AP/AFP) – Zwanzig Jahre nach dem Ende des Vietnamkriegs hat der ehemalige US- Verteidigungminister Robert McNamara erstmals öffentlich Fehler eingeräumt. „Wir haben uns schrecklich geirrt“, sagte McNamara gestern in einem Interview. In dieser Woche erscheinen die Memoiren des Politikers, der nach seiner Ablösung im Jahr 1968 Chef der Weltbank war.

Ein Vierteljahrhundert lang hatte McNamara geschwiegen. Die Veröffentlichung seiner Memoiren mit dem Titel „In Retrospect: The Tragedy and Lessons of Vietnam“ (Im Rückblick: Die Tragödie von Vietnam und die Lehren daraus) begründete er jetzt damit, daß der Vietnamkrieg den Grund gelegt habe für einen verbreiteten Zynismus in der politischen Öffentlichkeit in den USA. Dringend nötig sei daher endlich ein offener Umgang mit den Fehlern der Vergangenenheit. Auszüge des bei Times Books erscheinenden Buchs veröffentlicht die Zeitschrift Newsweek in ihrer jüngsten Ausgabe.

In der Umgebung der Präsidenten John F. Kennedy und Lyndon B. Johnson habe damals jeder „entsprechend den Maßstäben gehandelt, die wir für die Grundsätze und Traditionen unseres Landes gehalten haben“, sagte McNamara. Dies sei ein Irrtum gewesen, auf die sich alle Fehler des Vietnamkrieges zurückführen ließen. Dazu habe auch gehört, daß die von einem kommunistischen Vietnam ausgehenden Gefahren für den Westen völlig übertrieben dargestellt worden seien.

Er und die anderen Kennedy- Berater hätten bei der Entwicklung der amerikanischen Vietnampolitik viel zuwenig über Indochina gewußt, schreibt McNamara in seinem Buch. Heute halte er es einfach für unglaublich, daß die politischen, militärischen, finanziellen und menschlichen Kosten der tiefen Verwicklung der USA in der Region nicht von Anfang an berücksichtigt worden seien. McNamara räumt ein, daß Nordvietnam 1966 ein Friedensangebot machte, es aber nach mehreren amerikanischen Bombardements wieder zurückzog. Als falsch wies McNamara die Ansicht zurück, er und Johnson hätten mäßigend auf die Militärs eingewirkt. Die USA hätten in Indochina mehr Bomben abgeworfen als an allen Fronten des Zweiten Weltkriegs.

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