: Konventionell anmutende Chefsessel-Vergabe
■ betr.: „Chefredaktion“, taz-Intern vom 27.4. 95
Daß Ihr Euch nicht schämt, Euren LeserInnen drei Männer als neue Chefredaktion vorzustellen: darauf scheint Ihr auch noch stolz zu sein?! Wo bleiben endlich die Chefredakteurinnen?! Als (Noch-)Leserin fordere ich Euch auf, endlich den Frauen mehr Macht zu geben – das ewige Männergeklüngel nervt mich unendlich! Tut nicht immer so, als gäbe es keine fähigen Frauen! Ich habe auch keine Lust mehr auf den ständig wachsenden Männer-Focus in der taz! Dagmar Dorsten, Berlin
Die Frauen kamen ja schon am 8. März zu Wort. Mann tut gut daran, nichts zu übertreiben. Ingrid Maier, Pohlheim
Hier schreibt nicht die Siebziger-Jahre-Biedermeier-Feminismus-Fraktion (BFF), vielmehr eines der wahnsinnigsten kulturpolitischen Projekte der Hauptstadt. Obwohl wir, Medienpolitiker und Kulturschaffende, Ihrer Zeitung höchst wohlwollend gegenüberstehen, fragen wir uns doch, inwieweit die neue Chefredaktion einen anderen Blick auf soziale und politische Prozesse, Themen, Debatten, auf kulturelle und subkulturelle Diskurse, Revolutionen, Ereignisse (für den die tageszeitung journalistisch steht) garantieren kann, ohne unsere Lieblingsautorinnen Brunst, Goettle, Niroumand und Scheub bei der Neubesetzung der Chefredaktion zu berücksichtigen? Und warum nicht Madame Schmitter?
Gerade seid Ihr mit Le Monde diplomatique auf vorzüglicher Fährte, da überrascht Ihr mit der doch recht konventionell anmutenden Chefsesselvergabe. Das Schlimmste, was der taz passieren könnte, wäre doch gerade die Langeweile des Tagesspiegels zu kopieren. Wer arbeitet konzeptionell innovativ, wo bleiben die kritisch- frechen Inspirationen der besten SchreiberInnen? Die Herkunft der neuen Chefredaktion läßt alleine erwarten, daß Ihr wohl demnächst ein vierfarbiges Copperfield-Schiffer-Wochenendmagazin produziert. Warum? Schaut doch mal in Eure Zeitung: Böhm über Oklahoma, Scheub über biologistisches Denken, Cinemataz unter Regie von mn. Warum gebt Ihr nicht zu, daß ein Großteil Eurer Besten zufällig Frauen sind und deshalb die Leitung in die Hand nehmen müßten?
Fragen über Fragen ... auch an die Angesprochenen ... Johannes Preissner,
AG Frauen-Krieg-Lustspiel,
Videozeitung an der TU, Berlin
Eine Koalition, die was bewegt: taz.de und ihre Leser:innen
Unsere Community ermöglicht den freien Zugang für alle. Dies unterscheidet uns von anderen Nachrichtenseiten. Wir begreifen Journalismus nicht nur als Produkt, sondern auch als öffentliches Gut. Unsere Artikel sollen möglichst vielen Menschen zugutekommen. Mit unserer Berichterstattung versuchen wir das zu tun, was wir können: guten, engagierten Journalismus. Alle Schwerpunkte, Berichte und Hintergründe stellen wir dabei frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade jetzt müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Was uns noch unterscheidet: Unsere Leser:innen. Sie müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Es wäre ein schönes Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen