: Redeverbot gefordert
■ Karlheinz Weißmann, rechter Publizist, soll Vortrag in Loccum halten
Hannover (taz) – Gegen einen Auftritt des rechtsextremen Autors Karlheinz Weißmann auf einer Tagung der evangelischen Akademie Loccum haben „Göttinger BürgerInnen gegen Rechtsextremismus“ und der Asta der Uni protestiert. Sie verlangen von der Akademie, auf der Tagung „Stigma und Normalität – Auf der Suche nach der Nation“ neurechten Thesen kein Forum zu bieten. Weißmann, der dort am 16. Juni zum Thema „Die Aktualität der Nation“ referieren soll, soll wieder ausgeladen werden.
Die evangelische Akademie will an dem Referenten festhalten: „Demokratie lebt von der Auseinandersetzung und auch rechtsextremen Positionen kann nur der Boden entzogen werden, wenn man sich im Diskurs mit ihnen auseinandersetzt und gerade so deutlich macht, daß sie nicht demokratiefähig sind“, schrieb der für die Tagung verantwortliche Studienleiter Jörg Calließ dem Göttinger Asta. In ihrem Offenen Brief wirft das Bündnis ein, Karlheinz Weißmann sei ein Vordenker der Neuen Rechten. Sein Verständnis der Nation sei völkisch geprägt, er vertrete eine intellektuelle Version der „Blut- und Boden- und der Volksgemeinschaftsideologie“ und ein „autoritäres Staatsdenken mitsamt Eliten- und Führerkult“. Er habe viel in der neurechten Zeitschrift Criticon publiziert und die Junge Freiheit feiere sein Buch „Rückruf in die Geschichte“. In den 80er Jahren sei Weißmann verantwortlicher Redakteur der rechtsradikalen Zeitschrift Phoenix gewesen, danach Mitglied der „elitär-faschistischen Deutschen Hochschulgilde“. Weißmanns Publikationen verfolgten das Ziel, faschistische Positionen hoffähig zu machen. Ihre Aufforderung an die Akademie, Weißmann auf der Tagung nicht referieren zu lassen, begründen die BürgerInnen gegen Rechtsextremismus mit jenem „von Wissenschaftlern wie Pierre Bordieu, Jacques Derrida, Georges Duby und Umberto Eco“ unterzeichneten Aufruf, der sich gegen jede Zusammenarbeit mit Personen wendet, die Verbindungen mit der extremen Rechten haben.
Der Loccumer Studienleiter Jörg Calließ erklärte gestern auf Anfrage, inhaltlich teile er Vorwürfe gegen Weißmann. Dieser spreche etwa vom deutschen „Schuldmythos“, erwähne in seinem Buch „Rückruf in die Geschichte“ an keiner Stelle, daß der Zweite Weltkrieg ein deutscher Angriffskrieg gewesen sei. Ziel der Tagung sei es allerdings, die Haltlosigkeit und Gefährlichkeit solcher neurechter Thesen zu entlarven. Deswegen habe er zusammen mit Weißmann eine der schärfsten Kritiker der Neuen Rechten, Wolfgang Gessenharter, den Autor des Buches „Kippt die Republik“ eingeladen. Jürgen Voges
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