piwik no script img

Hoffnung auf Girokonto für alle

■ Kreditwirtschaft bietet „Freiwillige Selbstverpflichtung“ an

Berlin (taz) – Rund 500.000 BürgerInnen, denen nach Schätzung der Verbraucherverbände zur Zeit ein Girokonto verweigert wird, können aufatmen – zumindest wenn sie der Absichtserklärung des Zentralen Kreditausschusses (ZKA) Glauben schenken. Denn eben dieser ZKA hat allen deutschen Kreditinstituten die Führung eines Girokontos für jedermann empfohlen, unabhängig von Art und Höhe der Einkünfte oder einer negativen Schufa-Eintragung. Ausnahmen sollen dennoch möglich sein. Etwa dann, wenn ein Kunde die Leistungen der Bank mißbrauche, falsche Angaben mache oder Bankangestellte grob belästige.

Viel entscheidender, so Petra Kachel, Mitarbeiterin beim Bündnis 90/Die Grünen, sei jedoch eine andere Ausnahme. Denn laut Selbstverpflichtung kann das Girokonto verweigert werden, wenn es durch Gläubiger blockiert wird. „Hier halten sich die Banken eine Hintertür offen“, meinte Kachel, „wie vor der Selbstverpflichtung werden wieder die Sozialhilfeempfänger ausgegrenzt. Denn diese sind oft auch verschuldet.“

Mit der „freiwilligen Selbstverpflichtung“ will die Kreditwirtschaft einer gesetzlichen Kontoführungspflicht zuvorkommen. Der hessische Wirtschaftsminister Lothar Klemm (SPD) hatte mit einer Bundesratsinitiative gedroht, wenn es bis Juli nicht zu einer freiwilligen Selbstverpflichtung komme. Bündnis 90/Die Grünen und die SPD haben inzwischen eigene Gesetzentwürfe in den Bundestag eingebracht; von der PDS liegt ein Antrag vor. Alle drei Fraktionen gehen davon aus, daß Good-will-Erklärungen der Bankenverbände nicht ausreichen, um tatsächlich allen Kunden das Recht auf ein Girokonto zu garantieren. Trotzdem sei die Selbstverpflichtung ein Fortschritt, sagt Felix Stenschke vom hessischen Wirtschaftsministerium. Bisher hätten sich zwar die Sparkassen und die Genossenschaftsbanken zu einer solchen Verpflichtung bereit erklärt, aber die privaten Banken lehnten dies ab. Ina Rust

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen