: Über 150 Tote bei Offensive in Sri Lanka
■ Regierungstruppen rücken in Tamilen-Gebiete vor / Erbitterter Widerstand
Neu-Delhi (dpa) – Im Norden von Sri Lanka ist es seit gestern morgen zu schweren Kämpfen zwischen der Armee und den tamilischen Befreiungstigern von Eelam (LTTE) gekommen. In der größten Offensive seit acht Jahren sind rund 10.000 Soldaten in das von der LTTE gehaltene Gebiet eingedrungen. Sie werden von der Marine und der Luftwaffe unterstützt. Bei dem am Sonntag morgen vom Truppenstützpunkt Palali aus gestarteten Großangriff gab es nach Angaben indischer Nachrichtenagenturen zahlreiche Tote und Verletzte.
Die LTTE hatte Mitte April den mit der Regierung vereinbarten Waffenstillstand gebrochen und Marineschiffe angegriffen. Seitdem hatte es in bewaffneten Auseinandersetzungen auf beiden Seiten Hunderte von Toten gegeben. Auch unter der Zivilbevölkerung gab es zahlreiche Opfer. Ungeachtet dessen hatte Sri Lankas Präsidentin Tschandrika Kumaratunga noch am Samstag in Colombo dazu aufgerufen, eine politische Lösung des Konfliktes zu suchen.
Ein tamilischer Rundfunksender meldete, die Luftwaffe habe in einem Ort in der Nähe von Manipai auch eine Kirche und ein Krankenhaus bombardiert. Dabei seien 65 Menschen getötet und mehr als hundert verwundet worden. In einem anderen Gebiet seien 30 Menschen getötet und 70 verletzt worden. Insgesamt wurden nach Angaben des Rundfunksenders mehr als 200 Menschen verletzt.
Ziel der Armee ist es, die von den Rebellen gehaltenen Gebiete zu erobern. Dabei treffen die Truppen nach Angaben eines Militärsprechers auf erbitterten Widerstand der LTTE. In der Region Jaffna herrscht seit Sonntag morgen Ausgangssperre. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, in den Häusern zu bleiben. Nach Angaben des Tamilensenders sind allerdings mehr als 100.000 Menschen, nach anderen Angaben 10.000 Menschen auf der Flucht.
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