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Schlußlicht der Nation

■ Umweltinitiativen kritisieren das Groß-Hamburger Müllkonzept

Von Müllvermeidung ist im Regionalen Entwicklungskonzept (REK) keine Rede. Wenn die Polit-Planer aus Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein tagen, um Grundzüge für eine Entwicklung der „Metropolregion Hamburg“ festzulegen, die an der Stadtgrenze nicht halt macht, geht es beim Abfall ausschließlich um „Entsorgung“. „Auf der Grundlage von Bevölkerungsprognosen wird lediglich der Status quo fortgeschrieben“, klagt die Hamburger GAL-Bürgerschaftlerin Antje Möller: „Ökologische Müllpolitik ist das bestimmt nicht.“

Eine aus norddeutschen Grünen, BUND-VertreterInnen und BürgerInneninitiativen zusammengesetzte „Arbeitsgruppe Abfallpolitik im REK“ hat nun einen „ökologischen Handlungsrahmen“ für die künftige Abfallpolitik vorgelegt. Darin wird kritisiert, daß Müllverbrennungsanlagen (MVAs) nicht nur die Luft verpesten, sondern auch sämtliche Abfallvermeidungsstrategien unterlaufen. Joachim Immisch von den Lüneburger Grünen: „Verbrennungsanlagen laufen nur bei Vollast rentabel. Deshalb darf das Müllaufkommen nicht sinken.“

Regionale Vermeidungskonzepte hätten keine Chance, da sich das Hamburger Umland gerade langfristig verpflichten würde, Mindest-Müllmengen in die Hamburger MVAs zu liefern. Mit dezentralen biologisch-mechanischen Abfallbehandlungsanlagen nach dem Prinzip der „kalten Rotte“ könnte hingegen flexibler auf variierende Müllmengen reagiert und der Schadstoffausstoß verringert werden.

Zudem fordert der Arbeitskreis die Beteiligung der (Fach-)Öffentlichkeit bei der Erarbeitung der REK-Abfallrichtlinien sowie ein länderübergreifendes Müllvermeidungskonzept. Und das möglichst wenig nach Hamburger Vorbild. Klaus Koch vom Umweltverband „Das bessere Müllkonzept“: „Bei der Vermeidung und Verwertung von Abfällen ist Hamburg das Schlußlicht der Nation“.

Marco Carini

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