: Konkurs droht weiter
■ Ost-Werften sollen sich durch Trennung retten
Es kommt Bewegung in den Fall des Bremer Vulkan, so sieht es aus. Die Herauslösung der Ost-Betriebe aus dem Verbund scheint beschlossene Sache. Im Falle der Neptun-Industrie in Rostock kann sie vollzogen werden. Sieht man aber genauer hin, was da beschlossen wurde, wird das Dilemma deutlich, denn die vermeldete Bewegung muß vor dem Hintergrund des wochenlangen Stillstandes gesehen werden.
Es hat sich eben für die Firmengruppe Neptun-Industrie kein privater Investor gefunden. Deshalb mußte der Vergleichsverwalter sozusagen als Privatunternehmer die 78 Prozent der Firmenanteile, die bisher die Holding gehalten hat, auf seinen Namen überschreiben. Übergangsweise, wird versichert, um Zeit zu gewinnen für die Suche nach einem Käufer. „Nach wie vor kein Interessent kaufbereit“ wäre eine andere, wirklichkeitsnähere Überschrift für dieselbe Meldung gewesen.
Bei der Herauslösung der Ost-Werften aus dem Vulkan Verbund ist es fast noch schlimmer: Daß nur eine politische Absichtserklärung verbreitet werden kann, weist darauf hin, was nach wochenlanger Debatte über dieses Thema alles nicht geklärt ist. Insbesondere offenbar, ob die EU-Wettbewerbshüter zustimmen würden, wenn die Treuhand-Nachfolgerin BvS die im Cash-Management versunkenen 750 Millionen Mark noch einmal als „Beihilfe“ zahlen würde. Wenn nicht, werden die Ost-Werften zu den modernsten Investitionsruinen in den dem Osten versprochenen „blühenden Landschaften“ sein.
Dürfen die Beihilfen doch ein zweites Mal gezahlt werden, dann wird sich die Frage stellen, ob diese Schiffbau- Betriebe trotz der von der EU verordneten Kapazitätsbegrenzungen wirtschaftlich überhaupt überlebensfähig sind. Nach bisheriger Lesart sind sie das nur im Verbund mit den Bremer Werften – „Kooperation“ heißt das im aktuellen Sprachgebrauch. Auf das Überleben der Bremer Betriebe setzt aber derzeit niemand. Also doch keine reale Bewegung im Fall des Vulkan. Bis Ende April muß allerdings die Herauslösung der Ost-Werften rechtlich über die Bühne sein – für den im Moment wahrscheinlichsten Fall, daß dann der Vergleich nicht eröffnet wird und ein Anschlußkonkurs erklärt werden muß. Klaus Wolschner
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