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Ausbildung als Wert an sich

■ Umstritten: Senat bildet über Bedarf und ohne Perspektive aus

Zum ersten Mal wird der Hamburger Senat ab April Auszubildende für die Verwaltung „über Bedarf“ einstellen. Unsinnig sei dies, so der Personalrat für den Verwaltungsnachwuchs, da die Ausbildung derart spezifisch sei, daß die Absolventen auf dem freien Markt keine Perspektiven haben. „Wir haben uns bei großen Unternehmen umgehört“, erklärt Frank Sattler vom Personalrat, „deren Interesse ist gleich null.“ Es gebe zwar Bemühungen, den Schwerpunkt der „stark rechtlich ausgeprägten“ Verwaltungsausbildung“ zu den Wirtschaftswissenschaften hin zu verlagern; das müsse jedoch erstmal gelingen – und von potentiellen Arbeitgebern auch akzeptiert werden.

Ausbildung sei „ein Wert an sich“, ist hingegen Personalamtsleiter Volker Bonorden überzeugt. Auch in anderen Bereichen gebe es keine Übernahmegarantie; eine Ausbildung qualifiziere „potentiell immer besser für Zukünftiges“. Und die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen bei der Stadt sei erheblich, trotz Kenntnis der Lage. Die Überlastausbildung betreffe zudem ausschließlich die AnwärterInnen des mittleren Dienstes.

Gerade das sei problematisch, weil deren Ausbildung keinen Berufsabschluß im Sinne des Berufsbildungsgesetzes vermittele, meinen Personalrat und Gewerkschaften. Sie fordern den Senat auf, bevorzugt in kaufmännischen oder handwerklichen Berufen Ausbildungsplätze zu schaffen – als Gärtner, Schlosser oder in den Landesbetrieben.

Insgesamt 92 neue Auszubildende werden am Montag im Rathaus begrüßt; gleichzeitig werden 96 vor drei Jahren „nach Bedarf“ eingestellte Absolventen verabschiedet. Für diese hatte der Senat erst vor dreieinhalb Wochen die Möglichkeit einer befristeten Beschäftigung auf Teilzeitbasis gefunden. Man habe ihnen dies angeboten, hieß es, um sie nicht in die Arbeitslosigkeit entlassen zu müssen.

Stefanie Winter

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