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Im Kopf des Schmuckkästchens

■ Das Jenischhaus hat wieder einen begehbaren zweiten Stock

Im Mezzanin-Geschoß des Jenischhauses, den ehemaligen Wohnbehältnissen für die Hausangestellten, war man vor zwei Jahren des Nadelfilzes satt. Doch als man den Belag abriß, in der Hoffnung darunter die historischen Dielen zu finden, erlebten die Angestellten des Altonaer Museums, zu dem das Ausstellungs-Landhaus in Flottbek gehört, eine böse Überraschung. Erst Asbest, dann Holzwurm und schließlich verfaulte Balkenköpfe kamen als Schichten zu Tage und machten es nötig, das Dachgeschoß für zwei Jahre wegen Renovierung zu schließen.

Gestern wurden die vier Räume, deren Einrichtung verschiedenen Moden des letzten Jahrhunderts folgt, wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ein Jugendstilzimmer mit einem Wandbrunnen von Ernst Barlach und ein gründerzeitlicher Kaufmannssalon mit zwei Bildnissen von Lenbach (Reichskanzler von Bülow und seine Frau) erregen die größte Aufmerksamkeit. Dazu schmücken ein weiteres Wohnzimmer von 1860 sowie eine Schlafkammer mit einem Himmelbett und einer Raffael-Kopie nun den Kopf des klassizistischen Schmuckkästchens, das 1834 nach einer Entwurfskreuzung von Plänen Schinkels mit denen des Hamburger Architekten Franz Forsmann erbaut worden war.

Der Boden, der Verursacher der langen Schließung, wirkt in seiner hellen, neuen Unbeflecktheit in diesem Zusammenhang allerdings noch wie untergeschoben. Hier muß die Zeit dunkeln, was der Schreiner erhellte. tlb

Jenisch-Haus, Baron-Voght-Str. 50, Geöffnet: Di-So 10-17 Uhr

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