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Notizen aus der Provinz

Die Pläne zur Steuerreform sind zwar noch lange nicht Gesetz, und da wir in diesem Zusammenhang von Schäuble wissen, daß Rom auch nicht an einem Tag erbaut wurde, kann das noch eine Weile dauern. Trotzdem laufen die Finanzämter jetzt schon Amok und befinden sich hierbei mit Theo, der die totale Gerechtigkeit im Himmel vermutet, in bester Gesellschaft.

Aber Gerechtigkeit hin oder her, daß man bei Umzug doppelt oder dreifach zur Kasse gebeten wird, geht doch ein bißchen zu weit. Meine Einkommensteuer wollten auf jeden Fall gleich drei Finanzämter kassieren, und nachdem sich zwei geeinigt hatten, wer die von mir fristgerecht bezahlten Steuern behalten sollte, ärgerte sich das dritte und sperrte mir kurzerhand das Konto. Nach fünf Tagen, etlichen Ferngesprächen und einigen Faxen gelang es mir schließlich wieder die Oberhand über mein Konto zu erringen... Dank genügend Bargeld und guten Nerven war es mir möglich, dieser behördlichen Attacke mit der nötigen Gelassenheit gegenüberzustehen und bei allem Ärger nicht zu vergessen, daß die armen, unfreundlichen Beamten auch nur Opfer der Bonner Verwirrungspolitik sind.

Um so mehr wundert es mich, daß die Medien versuchen, Unverständliches durch Graphen und Diagramme verständlich zu machen und ständig Politiker zu neuen Stellungnahmen überreden. Wer so oft umgezogen ist wie ich, weiß, daß die Damen und Herren in Bonn im Moment wirklich andere Probleme haben als irgendwelche Leute steuerlich zu entlasten. Und so kann ihnen eine Debatte für die nächsten zwei Jahre nur recht sein, welche die Bürger jede Woche mit einer neuen Knobelaufgabe beschäftigt. Dazu noch regelmäßige Massenopferungen von Rindern auf der Suche nach des Rätsels Lösung und wir kommen unserem Vorbild, dem alten Rom, doch schon ziemlich nahe. Je weniger Brot, um so mehr Spiele fürs Volk eben. Christina Vontin, Hargerloch

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