: Ullrich braucht neue Widersacher
■ Festina-Fahrer Virenque verabschiedet sich tränenreich von der Tour de France, Ullrich holt das Gelbe Trikot und verliert es gleich wieder
Corrèze (dpa) – Die Tour de France endete für Richard Virenque in diesem Jahr nicht auf den Pariser Champs-Élysées, sondern im Hinterzimmer eines kleinen Bistros an der Route Nationale 89. Dort hatte Tour-Direktor Jean- Marie Leblanc nach der Suspendierung des Festina-Teams wegen der Doping-Affäre letzte Überzeugungsarbeit leisten müssen. Die Fahrer traten am Samstag dann doch nicht, wie angekündigt, zum Zeitfahren in Corrèze an. Das Rennen gegen die Uhr auf der 58 km langen schwierigen Strecke gewann Jan Ullrich vor den Amerikanern Hamilton (1:10 Minuten zurück) und Julich (1:18) gewann. Damit holte er sich das Gelbe Trikot, das er gestern auf der 8. Etappe gleich wieder an Laurent Desbiens verlor. Der Franzose fuhr in einer sechsköpfigen Ausreißergruppe, die rund acht Minuten Vorsprung herausholte und deren Sprint in Montauban der Franzose Jacky Durand vor dem Italiener Andrea Tafi gewann. Desbiens hat jetzt 3:21 Minuten Vorsprung vor Ullrich.
Nach dem Ausschluß der Festina-Equipe ist „das schönste Rennen der Welt“ (Virenque) sportlich amputiert. Wie im Vorjahr schien Festina mit Virenque, Alex Zülle und Laurent Dufaux die einzige Mannschaft zu sein, die Ullrich eventuell hätte stoppen können. Der Telekom-Troß beeilte sich, nach dem Festina-Abschied weitere Herausforderer zu benennen, damit der Verdacht der drohenden Langeweile nicht aufkommt. Ullrich: „Schon vor der Tour wußten wir, daß Olano, Jalabert und Pantani zum Favoritenkreis gehören.“ Die allerdings hat er beim Zeitfahren alle ein gehöriges Stück distanziert.
Nach der Suspendierung der neun Fahrer wurde die Tour am Samstag von fast allem entkernt, was an Festina – die spanische Uhrenfirma besorgt die Zeitmessung bei der Tour – erinnerte. Unternehmenschef Miguel Rodriguez investierte in den Radsport jedes Jahr mindestens elf Millionen Mark. Der Rückzug des Sponsors scheint logisch. So reagierte im Vorjahr nach einem ähnlichen Vorfall beim Giro d'Italia, als ein Masseur als Schlüsselfigur eines Doping-Handels aufflog, auch die italienische Firma MG.
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