: Der Kult zum Gestümperten
■ Noch mehr Kurzfilme: „Große Gefühle“ im Lichtmeß
Wer sich den Kult zum Gestümperten abholen möchte, begebe sich ins Lichtmeß-Kino, wo heute und morgen das Kurzfilmprogramm „Große Gefühle“ läuft: 13 mal wird geliebt, gelogen und gelitten, was das Zeug hält, und alles für no oder low budget.
Matl Findel zum Beispiel lebt in Berlin-Kreuzberg und hat eine Baustelle vorm Fenster. Eine massiv-hölzerne Klobrille schenkt er seiner großen Liebe zum Geburtstag, aber die hat weder Augen für ihn noch den notwendigen Feinsinn für richtig gute Geschenke. Im Regen (Tant Pis) ist ein lebensbejahend tragisches Meisterwerk, das süchtig macht nach der latent frauenfeindlichen Zwiesprache des Helden und Ich-Erzählers mit dem Kranführer von gegenüber, nach seinem leicht gewienerten inneren Monolog, seiner kleinen pubertären Sehnsucht nach Paris.
Jörg Buttgereit dagegen hat mit zwar nicht versteckter, aber geleugneter Kamera seinen Papi gefilmt (“Was soll denn die rote Lampe?“ – „Ach, nichts...“), einen Bierfahrer mit ebensolchem Bauch. Mein Papi ist aber nicht nur Abrechnung mit der väterlichen Autorität, Ignoranz und Häßlichkeit, denn Papi ist schwer krank...
In Der Weiße Prinz von Eva Bertram passiert eigentlich nichts, abgesehen davon, daß eine Darstellerin viel guckt und mit einem imaginären Lover frühstückt. Trotzdem nimmt die Ein-Frau-Handlung so in Anspruch, daß man dem Erzähl-Fließtext kaum folgen kann. Dabei ist der auch so spannend: Immerhin wartet sie auf einen Prinz, der sie auf einem Schimmel holen kommt, und das ist doch immer noch die lustigste Geschichte der Welt. uwi „Große Gefühle“, Lichtmeß, heute und Sa, 21. 10., 21 Uhr.
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