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Michaels Bananentod

■ Markthalle: Das Nachwuchsfilmfestival „abgezoomt“ startet heute

Wenn Teenies zu sehr filmen, entsteht ein Festival – denn lang ist es her, daß die Buben Lokführer und die Mädels Tierärztin werden wollten: Heute wollen sie lieber Filme machen. Die Regieyoungster unter 26 Jahren haben jetzt wieder Gelegenheit, ihre Produktionen auf den Beamer zu bringen: Heute und morgen findet in der Markthalle am Klosterwall zum achten Mal abgezoomt statt, eine Film- und Videoschau speziell für junge und jüngste Filmemacher ab 8 Jahren.

Urdemokratische Teilnahmebedingungen – keine Themenvorgabe oder Vorauswahl – sorgen dafür, daß es außer Porno und Gewalt alles zu sehen gibt, was private oder schulische Filmgruppen bei den Veranstaltern vom „Jungen Arbeitskreis Film und Video“ (JAF) eingereicht haben. Das bringt eine imposante Teilnehmerzahl (771 Personen), viele, viele Filme (genau 119) und ein unübersichtliches Programmheft.

Am besten orientiert man sich an den drei Genres Experimentalfilm, Dokumentarfilm und Musikclip, letzterer meist im Stil der MTV-Parodie, deren Gags – zum Beispiel der Tod des Michael Jackson beim Bananenwettessen – wohl nur der richtig verstehen kann, der seine Jugend vor der Glotze verbracht hat. Die zahlreichen Dokumentarfilme beschäftigen sich meist mit den vermeintlichen Randgruppen wie Ausländern oder Behinderten, die wenigen Experimentalfilme behandeln dagegen eher „virtuelle“ Themen wie den Ecstasyflash oder – ganz philosophisch – die Zeitwahrnehmung.

Neulich auf der Kultusministerkonferenz pries Schulsenatorin Rosemarie Raab abgezoomt als besonders gelungenes Beispiel für hanseatische „Medienpädagogik“, ein Wort, mit dem Andreas Hedrich vom JAF nicht so viel anfangen kann: „Filme machen macht Spaß, man kann dabei kreativ arbeiten. Und wenn sich dadurch der Umgang mit den Medien ändert, umso besser.“ Oliver Fischer

Veranstaltungen an beiden Tagen von 10-20 Uhr, Infos unter Tel. 324030

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