: Unterm Strich
Mach mir das Gesamtkunstwerk: Nachdem gestern der Priester Djali aus Benin und seine sogenannten Voodoosi mit einer speziellen Zeremonie Glück und Harmonie in die Essener Messehallen gebracht haben, eröffnet dort heute die art open, die man, wie der Kunstredakteur dieser Zeitung, tendenziös als ein „durchgeknalltes Weltevent“ bezeichnen kann oder sachlich, wie die Kurzmeldungsredakteurin, als eine Ausstellung, die unter der Schirmherrschaft Ihrer Königlichen Hoheit Sophie von Spanien, Norbert Blüms und Michail Gorbatschows einen Pfad von der Steinzeit über Voodoo, das Mittelalter, die klassische Moderne bis zur zeitgenössischen Kunst frei schlägt, für dessen Begehung Dieter W. Liedtke eigens die Kunstformel – + I = + entwickelt hat, in der löblichen Absicht, daß allen Besuchern „die 4. Dimension, der Zugang zum Verstehen von Kunst und Musik“, wie Prof. Dr. Franz Müller-Heuser in einer kleinen Notiz im Presseheft erklärt, „offen steht.“
Dreißig Jahre nach dem Tod des damals 27jährigen Rolling-Stones-Gitarristen Brian Jones behauptet Anna Wohlin, eine Boutiquenbesitzerin aus Stockholm, in der schwedischen Tageszeitung Expressen, daß Jones ermordet wurde. Wohlin hatte Jones in der Nacht des 3. Juli 1969 tot im Swimmingpool seines Farmhauses in Hatfield, Herfordshire gefunden. „Ich stand so unter Schock, daß ich krank war. Dann unterdrückte ich es – ich heiratete“, erklärte die 53jährige, die gerade geschieden wurde, der schwedischen Zeitung.
Der Tod von Jones war damals als Unfall bezeichnet worden. Alle Welt glaubte, Jones habe unter dem Einfluß von Drogen und Alkohol gestanden. Wohlin erklärt jetzt, der Bauarbeiter Frank Thorogood, der damals auf Jones' Farm gearbeitete hatte, habe den Gitarristen in einem Streit um Geld getötet. Die Polizei hatte den Fall bereits 1994 noch einmal untersucht, als die Aufnahme eines Geständnisses entdeckt wurde, das Thorogood auf dem Totenbett gemacht haben soll. Die Untersuchung blieb folgenlos. Wohlin behauptet, Jones habe aufgehört, harte Drogen zu nehmen, und er habe vor seinem Tod auch viel weniger getrunken. Sie wolle in ihrem Buch „The Murder of Brian Jones“, das gerade veröffentlicht wird, ihre Sicht der Dinge beschreiben.
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