: Pressemitteilung vom Truppenübungsplatz
betr.: „Von Panzern geschützte Natur“, taz vom 2. 9. 99
Schön, die Interessen von Militär und Natur so vereint zu sehen – zu schön um wahr zu sein. Schon der Aufhänger des Artikels bleibt vollkommen im Unklaren. Im Untertitel heißt es, der Truppenübungsplatz Senne solle demnächst zum Nationalpark erklärt werden. Aus „demnächst“ wird im Text selber: „Irgendwann werden die Briten zurück auf die Insel gehen, ohne dass bisher ein Datum genannt wurde.“
Ist es der diesbezügliche Beschluss des nordrhein-westfälischen Landtages, der jetzt Zeitdruck ausübt? Wohl kaum, denn dieser datiert von 1991 und mag – was aus dem Text nicht hervorgeht – nun erneuert worden sein. Kein Wort im gesamten Artikel, dass die Forderung nach einem „Nationalpark Senne“ aus der zweiten Hälfte der 80er Jahre stammt, und dass sie vor allem nicht von ungefähr kam. Denn so schön war/ist das mit dem Einklang von Militärnutzung und Naturschutz eben nicht. Hier mal ein ölverschmutzter Teich in der Senne, dort die tief ausgefahrenen Panzerspuren im Boden, und zur Krönung war gar die Errichtung eines kompletten Dorfs geplant – für das Üben des Bürgerkriegs in Nordirland.
Vielleicht mögen die Soldaten als Reaktion auf die damaligen Proteste von Umwelt- und Friedensbewegung mittlerweile mehr Rücksicht als noch vor zehn Jahren auf die Natur nehmen, das ist aber kein Grund, dass sich von Anfang bis Ende des gesamten Textes zum Beleg des ach so pfleglichen Umgangs mit der Natur ständig und fast ausschließlich Aussagen des Platzkommandanten und Hobby-Ornithologen General Brummit finden. Oder war der Aufhänger vielleicht einfach eine Pressemitteilung der Verwaltung des Truppenübungsplatzes? Wolfgang Schreiber, Hamburg
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