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Die anderenDie französische Tageszeitung „Libération“ kommentiert die Spendenaffäre um Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl / Die Wiener Tageszeitung „Der Standard“ meint zu den Konsequenzen, die die CDU ziehen sollte

Die französische Tageszeitung Libération kommentiert die Spendenaffäre um Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl: Er wollte in der Geschichte das Bild eines gutmütigen Großen hinterlassen, eines Vaters des Vaterlandes, verdienstvoll und bescheiden. Schon angeschlagen durch seine Niederlage bei der letzten Wahl, ist dieses Bild erneut geschmäht worden, als er eingestehen musste, dass er 25 Jahre lang die schwarze Kasse der Christdemokratischen Partei geführt hat. Auch wenn die Summe, die für die Jahre 1991 bis 1998 genannt wird, relativ bescheiden wirkt, ist der Schock groß. Deutschland ist nicht Frankreich, und die Nachsicht der Öffentlichkeit im Hinblick auf solcherlei Verirrungen ist begrenzt.

Die Wiener Tageszeitung Der Standard meint zu den Konsequenzen, die die CDU ziehen sollte: Wenn Kohl seine Ankündigung ernst nimmt, er wolle alles tun, um Schaden von der Partei fern zu halten, dann muss er sein Amt als Ehrenvorsitzender und das Bundestagsmandat zumindest bis zur Klärung der Vorwürfe ruhen lassen. Ist er selbst nicht dazu bereit, muss ihn seine Partei dazu auffordern. Auch vor einem völligen Bruch darf die CDU im Interesse der eigentlichen Glaubwürdigkeit nicht zurückschrecken, sollte Kohl dem Appell des Präsidiums, endlich die Spender zu nennen, nicht nachkommen.

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